30.10.2019 08:40 |

150 Mio. Betroffene

Wasser verschlingt weit mehr Städte als erwartet

Das Wasser steht der Welt bald bis zum Hals - und darüber hinaus. Und das alles könnte auch noch viel schneller gehen als bisher angenommen, wie Ergebnisse neuer Studien zeigen. Bis 2050 könnten demnach drei- bis fünfmal mehr Menschen von den Auswirkungen des steigenden Meeresspiegels betroffen sein. Einige der größten Küstenstädte der Erde würden regelrecht untergehen, wie auch aktuelle Grafiken verdeutlichen.

Wissenschaftler haben präzise Berechnungen angestellt, basierend auf Satellitenmessungen, um die Auswirkungen des Anstiegs des Meeresspiegels insbesondere auf größere Landflächen besser abschätzen zu können. Das ernüchternde Ergebnis: Bisherige Prognosen dürften wohl um einiges zu optimistisch gewesen sein, heißt es in einem Bericht der „New York Times“. Der Lebensraum von gut 150 Millionen Menschen dürfe bis zur Mitte des Jahrhunderts unter Wasser stehen. 300 Millionen Menschen würden mindestens einmal im Jahr von Überschwemmungen betroffen sein.

Alte Schätzungen mit neuen Daten verglichen
Die neuen Modelle, die im Rahmen einer Studie von Climate Central, einer im US-Bundesstaat New Jersey ansässigen Wissenschaftsorganisation, erstellt wurden, zeigen Vergleiche der bisherigen Schätzungen mit den aktuellen Daten. Dabei wurden auch Faktoren wie Bevölkerungswachstum oder Küstenerosion berücksichtigt. Die aufgedeckten Unterschiede sind dabei unübersehbar.

Weitere Grafiken finden Sie hier:

Großstädte massiv gefährdet
Mehr als 20 Millionen Menschen in Vietnam - fast ein Viertel der Bevölkerung - leben demnach derzeit in Zonen, die buchstäblich dem Untergang geweiht sind. Ein Großteil von Ho-Chi-Minh-Stadt würde ebenfalls verschwinden.

In Thailand leben inzwischen mehr als zehn Prozent der Bürger auf Land, das bis 2050 voraussichtlich überflutet sein wird - bisherige Schätzungen gingen von nur einem Prozent aus. Die politische und kommerzielle Hauptstadt Bangkok ist besonders gefährdet.

In Shanghai, einem der wichtigsten Wirtschaftsmotoren Asiens, droht das Wasser das Herz der Stadt und vieler anderer Städte in der Umgebung zu verschlingen. Basra, die zweitgrößte Stadt im Irak, könnte bis 2050 größtenteils unter Wasser liegen. Auch Alexandria in Ägypten ist massiv gefährdet.

Mehr Menschen umsiedeln
Climate-Central-Chef Benjamin Strauss insistiert: Die Städte müssten erheblich mehr Geld in Schutzmaßnahmen investieren, und sie müssten es schnell tun. Allerdings sei auch das Absichern durch Dämme und Barrieren keine endgültige Lösung. Die Frage ist: „Wie tief wollen wir in einer Schüssel leben?“, fragt Strauss. Insgesamt zeigt die Untersuchung, dass die Länder sich jetzt darauf vorbereiten sollten, mehr Bürger intern umzusiedeln.

„Weit mehr als ein Umweltproblem“
Konflikte bedingt durch die Flucht vor dem Wasser dürften aber kaum vermeidbar sein, meint General John Castellaw, Generalleutnant des US Marine Corps im Ruhestand und nun Berater im Zentrum für Klima und Sicherheit in Washington. Er erklärte gegenüber der „New York Times“, dass es sich um „weit mehr als ein Umweltproblem“ handle. „Es ist ein humanitäres, sicherheitspolitisches und möglicherweise auch militärisches Problem.“

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