26.10.2019 07:00 |

Große Umfrage

So feiert Salzburg den Tag der Fahne

Mozart und Schnürlregen. Stiegl-Bier und Sound of Music. Berge und Seen. So wird Salzburg gemeinhin assoziiert. Der patriotische Stolz kreist auch am heutigen 26. Oktober mehr um regionale Ausprägungen als um den historischen Anlass des Staatsfeiertags. Die „Krone“-Umfrage zeigt: Familiensinn geht vor Nationalstolz!

Rot-weiß-rote Farben, soweit das Auge reichte. Nicht nur an Schulen, Ämtern und bedeutenden Plätzen, sondern auch privat wurde am Staatsfeiertag durch die Beflaggung ein Zeichen stolzer Freude gesetzt. Ganz Österreich war glücklich, die Besatzungsmächte losgeworden zu sein und die nationale Freiheit gewonnen zu haben.

Heute ist vom Fahnenmeer von einst kaum etwas zu sehen und vom Nationalstolz wenig zu spüren. Auch Bundesheeraufmärsche oder Angelobungen wie in den 60er und 70er Jahren gehören der Vergangenheit an. Längst haben Radtouren oder Ausflüge bei den Salzburgern einen höheren Stellenwert. „Der 26. Oktober hat sich vom Staats- zum Familienfeiertag gewandelt“, bilanziert Heimatwerk-Leiter Hans Köhl.

Salzburgs Ex-Landeshauptmann und Historiker Franz Schausberger erinnert sich an das Jahr 1966 zurück, als Josef Klaus zum Bundeskanzler gewählt wurde. „In seinem ersten Amtsjahr hat er am Nationalfeiertag eine Bühnenshow in der Wiener Stadthalle durchführen lassen. Dieses riesige Spektakel war damals heiß umstritten. 1967 veranstaltete er ein ähnliches Event in Salzburg. Es hat heftige Kritik wegen Kitsch und Provinzialisierung gegeben. Aber Klaus hat alles auf seine Kappe genommen und mit patriotischen Großveranstaltungen aufgehört.“

Taxenbacher feiern heute ihren Erntedank

Allgemein ist der historische Hintergrund des Feiertags weitgehend aus dem Bewusstsein geschwunden - Lokalkolorit und regionales Brauchtum haben den gesamtösterreichischen Gedanken verdrängt.
Am opulentesten gefeiert wird übrigens in Taxenbach. Denn die Gemeinde hat den Nationalfeiertag auserkoren, um das Erntedankfest zu zelebrieren. „Alle Vereine ziehen mit der Krone durch den Ort, um für die gute Ernte und die sichere Rückkehr der Tiere in den Stall zu danken“, so die Zwillingsschwestern Rosmarie und Christiane Kendlbacher.

Und wo sind am Staatsfeiertag die waschechten „Stodinger“ anzutreffen? „Generell sind bei uns die Märkte prägend. Beim Grünmarkt, auf der Schranne, beim Fischkrieg oder in der Neuen Mitte Lehen halten sich die ,Ureinwohner’ am liebsten auf. Aber da die meisten heute geschlossen haben, werden sie wohl beim Sporer ein Likörchen genießen“, ist Fremdenführerin Sabine Rath überzeugt.

„Heute rücken alle Vereine aus und ziehen mit der Krone durch den Ort. Morgen ist Landjugendfest zum 40. Bestandsjubiläum“, sagt Christian Kendlbacher.

Der erste Gedanke von Kerstin Engljähriger, wenn sie an Salzburg denkt: „Der Schnürlregen“. Unmittelbar danach platzt aber auch „und Stieglbier“ aus ihr heraus. Doch der heutige Tag an sich sei ihr nicht wichtig.

Sandra Aigner
Sandra Aigner
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