07.10.2019 07:00 |

„Futurium“ in Berlin

„Museum der Zukunft“ in Deutschlands Hauptstadt

Berlin ist nicht nur wegen seiner Geschichte sondern auch wegen der Zukunft eine Reise wert: Im „Futurium“ können gleich mehrere Zukünfte entdeckt werden.

Das „Museum der Zukunft“ ist der neueste Hit in der an Attraktionen nicht gerade armen deutschen Hauptstadt. Berlin rüstet sich zwar gerade für die Feiern anlässlich des 30. Jahrestags des Falls der Berliner Mauer am 9. November, verliert das Morgen jedoch nicht aus den Augen - und das „Futurium“ bietet gleich eine ganze Auswahl möglicher „Zukünfte“.

Und Überraschungen: Neben der interaktiven Erforschung verschiedener Entwicklungsmodelle kann man etwa Pflanzen beim Wachsen zuhören – sie senden elektroakustische Signale aus. Oder ein wolkiges Gebilde entdecken, das auf Menschen reagiert: Diese „Newssphere“ wechselt von hell leuchtend bis zu dunkel, wenn jemand auf sie zutritt – fast ist man versucht zu sagen, je nach dem, wie sympathisch sie die Leute findet.

Dann verspricht unser Führer Philipp einen „Roboter, den alle lieben!“ und holt eine Art wuscheliges, blaues Robbenbaby mit großen Glubschaugen hervor. Solch künstliche Intelligenzen könnten künftig vereinsamten Menschen das Leben erleichtern, meint Philipp. Doch aus der Vorführung wird nichts, das blaue Plüschtier rührt sich nicht. Philipp nimmt es gelassen und holt das Aufladegerät – einen Schnuller!

Ein weiteres Highlight ist die „Wahlkabine“, eine Art moderne Wahrsagerin: Aufgrund der Gesichtserkennung wird vorhergesagt, welche politische Richtung man bevorzugt. Wäre spannend zu sehen, ob unsere Politiker eigentlich alle in der richtigen Partei sind.

Wer von Informationen und Ausprobieren erschöpft ist, kann sich im Restaurant – das von Sarah Wieners Biogut beliefert wird – erholen. Vielleicht bei einem „Fake Surf & Turf“ aus Flussbarsch, gerösteten Mehlwürmern, geräucherter Butter, Malven und fermentierter Chilipaste – „future“ eben.

Von so viel Zukunft ein Blick zurück in die Vergangenheit beziehungsweise eigentlich darauf, was aus ihr geworden ist. 30 Jahre nach dem Mauerfall ist der ehemalige Todesstreifen ein „grünes Band“, das sich quer durch Europa zieht. Ein grüner Gürtel, in dem sich abgeschirmt durch Stacheldraht, Minenfelder und Wachtürme über die Jahrzehnte eine ganz spezielle Landschaft entwickeln konnte.

Hier hat man die Möglichkeit genutzt, weiträumige Naturschutzgebiete einzurichten. Der Schaalsee, genau an der Grenze zwischen Schleswig und Mecklenburg – und damit zwischen dem ehemaligen Westen und Osten – ist eine grüne Oase und ein UNESCO-Biosphären-Reservat, das durch Wander- und Radwege erschlossen wird.

Bodo Schömer vom Informationszentrum „Pahlhuus“ in Zarrentin begleitet uns auf einem Holzpfad durch das Moor. „Es ist die Heimat von zahlreichen Vogelarten. Der Seeadler ist hier ebenso zu finden, wie das nur drei Gramm schwere Goldhähnchen, der kleinste Vogel Deutschlands“, erzählt er uns. Frösche, Fledermäuse, Insekten und der Fischotter sind hier zu Hause, und im See gibt es rund 15 Fischarten. Typisch für die Gegend ist die Maräne, die meist gebraten auf den Tisch kommt. Sie schmeckt aber auch frisch geräuchert – und Fischräuchereien gibt es in den kleinen Orten überall.

Nördlich des Schaalsees findet sich mit dem „Grenzhus Schlagsdorf“ ein kleines Museum über das Leben in der DDR und über den Mauerfall. „Folgen Sie mir in die Geschichte!“, fordert uns der Leiter Dr. Andreas Wagner auf. Ein wenig außerhalb des Dorfes wurde aus Originalbauteilen die Mauer samt Sperrzäunen und Todesstreifen aufgebaut: Erinnerung und Mahnmal an die oft tödliche innerdeutsche Grenze. Selbst dieses kleine Stück der Grenzbefestigung hinterlässt ein bedrückendes Gefühl. „Wir hätten nicht in der Nähe der Grenze leben wollen“, meint das Künstlerpaar Anke Meixner und Ulrich Rudolph. Heute betreiben sie in Zarrentin den „Kunstraum Testorf“ – in einem alten Bauernhaus, bei dem einst der Weg in den Westen endete.

Ein Biosphärenreservat ganz anderer Art liegt in Brandenburg nördlich von Berlin. Hier locken zwar auch lichte Wälder und Hunderte Seen, doch diese Landschaft hat eine eigene Geschichte. Die Schorfheide war das Jagdgebiet der Mächtigen – von Kaiser Wilhelm bis zu den Bonzen der Deutschen Demokratischen Republik. Für den schießfreudigen Monarchen wurde einst sogar eine eigene Bahnstation, der heutige Kaiserbahnhof in Joachimsthal, errichtet. 1302 Rothirsche, 2506 große und 316 geringe Sauen, 17.881 Hasen, drei Rentiere und drei Bären habe Wilhelm II. in 30 Jahren unter anderen in der Schorfheide erlegt, vermeldete das Hofjagdamt 1902 ganz offiziell.

Nach dem 1. Weltkrieg war damit Schluss. Die kaiserliche Jagdresidenz Hubertusstock wurde von Arbeiter- und Soldatenräten besetzt. Doch schon bald tummelten sich hier wieder Reichs- und Ministerpräsidenten, die von den Nazi-Größen abgelöst wurden. Reichsmarschall Hermann Göring ließ ein gigantisches Anwesen errichten und sprengen, als die Rote Armee 1945 anrückte. Die Machthaber der DDR nutzten die ländliche Idylle als offizielles Gästehaus. Alle waren sie hier – von den Sowjet-Diktatoren Nikita Chruschtschow und Leonid Breschnew bis zu deutschen Polit-Legenden wie Helmut Schmidt und Franz Josef Strauß.

Das Schlafzimmer ihres Gastgebers Erich Honecker ist heute zu besichtigen, im – umgebauten – Appartement seiner Frau Margot kann man sogar übernachten. Der DDR-Bau zeigt sich eher schlicht, lediglich im Kaminzimmer findet sich noch der prunkvolle kaiserliche Kamin. Das heutige Ringhotel in der Schorfheide setzt auf Seminartourismus. Auch Radfahrer sind willkommen, liegt das Hotel doch direkt am Radweg von Berlin nach der Ostsee-Insel Usedom.

Waltraud Dengel, Kronen Zeitung

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