"Krone": Herr Stolt, ihr Buch "Brandstiftung durch Feuerwehrangehörige" kommt demnächst auf den Markt. Das Thema ist brisant. Kommen solche Fälle sehr häufig vor?
Frank Dieter Stolt: Nein! In den Reihen der Feuerwehr finden sich viel seltener Brandstifter als im Rest der Bevölkerung. Nur die Wahrnehmung ist eine andere, das öffentliche Interesse weit größer. Die Medien berichten über solche Fälle viel ausführlicher. Für die ist der Mann, der einen Hund beißt, weit interessanter als ein Hund, der einen Mann beißt.
"Krone": Auf jeden Fall ist es außergewöhnlich.
Stolt: Ja, denn Feuerwehrleute haben als Brandstifter einen völlig anderen Antrieb als andere. Sie sind keine Pyromanen, die sich an den Flammen ergötzen, es geht nicht um Rache wie in anderen Fällen, nicht um Zerstörung. Zumeist sind die Täter vom Wunsch getrieben, ein Held zu sein. Sie sind beim Löschen die Ersten am Brandort. Oft sind sie es, die Alarm schlagen. Dieses Verhalten führt die Polizei daher recht rasch zum Täter.
"Krone": Sind diese Täter also verhinderte Helden?
Stolt: So könnte man es verkürzt sagen. Es sind in den allermeisten Fällen junge Männer zwischen 18 und Ende 20, die noch nicht ihren festen Platz im Leben gefunden haben. Feuerwehren haben eine wichtige soziale Funktion im Dorf. Sie haben auch Platz für jene, die mangels Talent im Sport- oder Theaterverein nicht unterkommen. Das birgt aber Gefahren. Junge Menschen wollen sich beweisen, wollen anerkannt werden. Bleibt ihnen das zu oft verwehrt, kann die Sehnsucht danach übermächtig werden. Aber was tun, wenn man keine Gelegenheit bekommt, weil’s einfach nicht brennt im Ort?
"Krone": Was können die Verantwortlichen in den Feuerwehren tun, um solche Fälle zu vermeiden?
Stolt: Feuerwehrmänner umgibt ein regelrechter Helden-Mythos. Am Stammtisch wird der durch die Erzählungen der 'alten Kämpfer' noch kräftig genährt. Da werden die Einsätze vergangener Tage von Stunde zu Stunde noch spektakulärer. So bekommen die Jungen eine völlig falsche Vorstellung von der Arbeit der Feuerwehr, die heute nur mehr zu einem Bruchteil aus Brandbekämpfung besteht. Es muss Schluss sein mit dem Helden-Getue. Die Selbstdefinition der Polizei - Freund und Helfer - passt doch viel besser.
"Krone": Wie soll die Nachwuchsarbeit also ausschauen?
Stolt: Bei der Aufnahme fängt es an. Es ist ein heikles Thema, aber ein Kommandant muss auch "Nein" sagen können. Zur Berufsfeuerwehr kann auch nicht jeder gehen. Viele Dörfer haben eine Jugendfeuerwehr mit eigenen Betreuern. Das ist gut. Eine kritische Zeit ist aber die, wenn 18-Jährige zu den Großen kommen. Dort sind sie oft verloren. Jeder Junge braucht einen Erfahrenen, der ihm zur Seite steht. Solche Modelle zeigen Wirkung.
"Krone": Sie betonen auch, dass die Aufnahme von Mädchen eine positive Wirkung zeigt?
Stolt: Ja, Mädchen sind nicht so anfällig für die Helden-Geschichten. Es ist auch erwiesen, dass sie einen anderen Ton, andere Umgangsformen in die Gruppe bringen. Sensibilität ist ein wichtiges Schlüsselwort!
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