Hack'n'Slay-Orgie

“Torchlight”: Starkes Gameplay, schwache Story

Spiele
17.05.2010 11:56
Das bereits im November vergangenen Jahres als Download veröffentlichte Spiel "Torchlight" ist nun auch in einer Box-Version erhältlich. Es entführt den Spieler in eine Fantasiewelt, die vor Monstern nur so wimmelt. Dementsprechend wartet dort auf den Gamer ein actiongeladener Hack’n’Slay-Spaß, allerdings hat sich Entwickler Runic Games beim Drumherum nicht allzuviel Mühe gegeben. Die Story gewinnt sicherlich keinen Preis und ist zudem noch schwach erzählt. Schade!

Denn das Gameplay ist wohl als bisher beste Umsetzung eines Hack’n’Slay-Rollenspiels zu werten. Hier merkt der Genre-Fan, dass sich auch ehemalige Diablo-Entwickler um "Torchlight" gekümmert haben. Wer den Genreklassiker nämlich einmal gespielt hat, wird sich auch in dieser Welt sofort zurechtfinden.

Zu Beginn wählt der Spieler aus drei Charakterklassen. Als da wären der Krieger, eine Fernkampfwaffen-Spezialistin und ein magisch begabter Alchemist. Zudem steht noch ein Begleiter zur Wahl – entweder nimmt der Spieler einen Kampfhund oder eine Kampfwildkatzeauf sein Abenteuer mit. Diese nützlichen Gefährten greifen sowohl selbstständig in Gefechte ein, können aber auch Gegenstände tragen. Besonders praktisch dabei: Ist sowohl das Inventar des tierischen Freundes als auch das eigene voll, schickt ihn der Spieler in die Stadt, um die gewünschten Gegenstände zu verkaufen. So spart man sich das langwierige Hin- und Herteleportieren, um selbst die Händler aufzusuchen.

Ruhm und Erfahrung für den Level-Aufstieg
Sowohl den Charakter als auch den Begleiter levelt der Gamer dann im Verlauf des Spiels hoch. Entsprechende Punkte teilt er auf die vier Grund-Eigenschaften Magie, Stärke, Geschicklichkeit und Verteidigung auf. Zudem kann er bei jedem Levelaufstieg auch spezielle Charakterfähigkeiten wie Zauber oder den Umgang mit bestimmten Waffenklassen in drei Talentbäumen erlernen bzw. seine Fertigkeiten darin erhöhen. Punkte zum Erlernen von Spezialfähigkeiten gibt es übrigens auch dann, wenn der Spieler genügend Ruhm – in den Kämpfen und für das Erledigen von Quests erhält man sowohl Erfahrungs- als auch Ruhm-Punkte – gesammelt hat.

Gleich wie bei den großen Vorbildern "Diablo" und "Diablo II" schnätzelt sich der Fantasy-Fan per Mausklick dann durch Unmengen an Monstern. Und das macht richtig Spaß, haben die Entwickler doch für eine übersichtliche und gut bedienbare Steuerung sowie kurzweilige Action gesorgt. Dabei ist die linke Maustaste mit dem Primärangriff belegt, auf der rechten Maustaste legt der Spieler hingegen bis zu zwei Spezialfertigkeiten ab. Den Zahlentasten kann er weitere Zauber, Tränke und Attacken zuweisen. Zudem kann mit nur einem Tastendruck zwischen zwei alternativen Waffensets gewechselt werden. 

Todbringende Gegenstände gibt es natürlich zu Hauf – die bereits aus der "Diablo"-Serie altbekannte Sammelwut wird also sicherlich auch hier wieder einige packen. Dabei lassen sich wieder farblich unterschiedlich markierte normale, magische, außergewöhnliche und Set-Gegenstände finden, die die besiegten Gegner abwerfen. Magische Funde werden wieder mit einer Spruchrolle identifiziert und auch die altbekannten Stadtportal-Rollen begegnen dem Gamer in "Torchlight" wieder. Zudem darf auch gesockelt und bezaubert werden. Das Vergleichssystem für Gegenständen ist dabei super-kompakt und übersichtlich ausgefallen. Fährt man mit der Maus zum Beispiel über eine Waffe, wird dieser sofort die gerade benützte gegenübergestellt. Der potenzielle Schaden wird dabei mit Schadenspunkte pro Sekunde angegeben, weshalb ein Vergleich effektiv und einfach ausfällt.

Geschichte kaum vorhanden
Die Geschichte wartet hingegen mit wenigen Neuerungen auf, ist zwar auch übersichtlich – weil enorm einfach gestrickt – aber gibt ansonsten nicht viel her: Unter der Stadt Torchlight wurden wertvolle Glusteine entdeckt. Beim Schürfen haben die Minenarbeiter aber den Zugang zu monsterverseuchten Tunnels freigelegt, seitdem leidet die Stadt unter ständigen Angriffen der Scheusale. Beim Versuch, diese aufzuhalten kommt der Spieler drauf, dass das Mineral verseucht wurde und die Menschen dem Bösen verfallen lässt. 

Der Held will natürlich herausfinden, was es damit auf sich hat und schon geht es Dungeon nach Dungeon abwärts, ohne dass noch viel in der Story geschehen würde. Auf die Stimmung drückt zusätzlich, dass es kaum Sprachausgabe oder Zwischensequenzen gibt. Und auch die Quests sind leider alles andere als abwechslungsreich geraten: Hol mir Gegenstand X, besiege Monster Y – das war’s auch schon.

Grafisch ist "Torchlight" sicherlich nicht jedermanns Sache, da die Fantasywelt äußerst comichaft anmutet. Nach einer ersten Eingewöhnungsphase stört das allerdings nicht mehr. Wie bereits erwähnt geizt das Spiel mit Sprachausgabe, ansonsten geht der Sound aber auf jeden Fall in Ordnung.

Fazit: "Torchlight" ist der rasantere und actionlastigere Bruder von "Diablo II". Das Hack’n’Slay-Gemetzel spielt sich unglaublich flüssig und ist auch dank der Unmenge an zu entdeckenden Gegenständen motivierend. Schade ist, dass die Entwickler trotz toller Gameplay-Ideen wie dem Begleiter offensichtlich auf das Drumherum vergessen haben. So ist "Torchlight" zwar richtig spaßig, kann den Spieler wegen der mangelnden Atmosphäre allerdings nicht wie etwa die beiden "Diablo"-Teile für lange Zeit vor den PC fesseln. Dank dem Diskontpreis von knapp 20 Euro sowie zahlreichen Fan-Mods ist es für Freunde des Genres aber sicherlich als Pflichtkauf einzustufen.

Plattform: PC
Publischer: JoWooD
krone.at-Wertung: 7/10

von Stefan Taferner

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Spiele
17.05.2010 11:56
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

KMM
krone.at
krone.at
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung