30.09.2019 07:00 |

„Without Fear“

Dermot Kennedy: Der Roy Keane der irischen Musik

Mit seinem sanften Songs, die sich gerne im R&B- oder Hip-Hop-Bereich aufhalten, ist der irische Singer/Songwriter Dermot Kennedy einer der Senkrechtstarter der letzten Monate. Vor seinem umjubelten Auftritt beim Frequency Festival trafen wir den sympathischen Iren, um mit ihm über sein neues Album "Without Fear", sein Songwriting und seine Liebe zum irischen Fußballer Roy Keane zu sprechen. Ein Wiedersehen auf der Bühne gibt‘s im November im Gasometer.

Die Musikhistorie beweist es öfters: Wer besonders tiefsinnig über Liebe, Leben und Leiden in der Gesellschaft sinniert, der schaut auch gerne mal tiefer in das Pint am Pub-Tresen. Nicht umsonst kommen gerade von der britischen Insel zahlreiche Vollblutmusiker und lyrische Poeten, die im schummrigen Licht des Beisls grandiose Ideen ihr Eigen nennen durften. Für Dermot Kennedy waren Pub und Straße wichtige Schulen, um in der Karriere den nächsten Schritt zu machen. Im 4000-Seelen-Kaff Rathcoole bei Dublin idyllisch aufgewachsen, gab es für ihn nur den Fußball und die Gitarre. Das runde Leder trat er mit ähnlicher Begeisterung, wie er sein Lieblingsteam Manchester United allwöchentlich anfeuerte, das Gitarrenspiel erlernte er mit zehn, begann aber erst mit 17, sich wirklich ernsthaft damit auseinandersetzen.

Intakte Familie
Den intakten Familienverhältnissen sei Dank, fuhren ihn die bienenfleißigen Eltern fortan zu Open-Mic-Nächten, Frau Mama hatte es der kleine Dermot auch zu verdanken, dass er wenig später für zumindest drei Jahre lang Klassische Musik an der Dubliner Uni studierte. Mit seiner eindringlich-warmen Stimme gewinnt er diverse Lokalausscheidungen, auch für die Straßenmusik ist sich der leidenschaftliche Akustikpoet nicht zu schade. Genau dort hat er seine erste schicksalshafte und prägende Karrierebegegnung mit dem irischen Top-Musiker Glen Hansard. Mit dem bleibt er nach gutem Übereinkommen per SMS in Kontakt, bis er von ihm auf die Bühne geholt wird, um sein Liedgut einem breiteren Publikum näherzubringen. Mit seiner Band Shadows And Dust wird er zumindest zum irischen Phänomen und gemischt mit seinen Eigenkompositionen stehen bis Herbst 2018 schon einmal mehr als 300 Millionen Spotify-Streams zu Buche.

Das Erfolgsrezept des sympathischen und bodenständigen Sängers liegt in seiner Einfachheit. Meist drei, vorwiegend sanfte Akkorde, berührende Texte, die aus dem realen Leben gegriffen sind und die sicht- und spürbare Freude, den Fans nicht nur von der Bühne herab, sondern auch abseits davon Freude zu bereiten. Auftritte in den USA, Australien und ganz Europa folgen, Kennedy spielt bei renommierten Festivals wie dem Bonnaroo, dem Lollapalooza, dem Frequency in St. Pölten und, als Krönung, dem kalifornischen Hipster-Stelldichein Coachella. Seine 2018 veröffentlichte Single „Power Over Me“ wird zu einem europaweiten Triumphzug und beweist, dass der 27-Jährige mit der untrüglichen Liebe zu Hip-Hop und R&B so einiges zu sagen hat. Die Vergleiche mit dem irischen Volkshelden Hozier, Avantgarde-Genie Bon Iver oder Megaseller Ed Sheeran folgen auf dem Fuß. „Sobald du eine Gitarre in die Hand nimmst und über die Liebe singst, wirst du immer mit den Großen der Musikhistorie verglichen“, erzählt er entspannt im „Krone“-Talk, „insofern kann ich das schon nachvollziehen, wenn solche Parallelen gezogen werden.“

Immens authentisch
Mit seinem dieser Tage erscheinenden Debütalbum „Without Fear“ kann Kennedy erstmals auf Langstrecke zeigen, was alles in ihm steckt. Sanfte Singer/Songwriter-Momente, fordernde Rap-Referenzen, funkiger R&B, viel Seele und ein untrügliches Gespür für poppige Hits durchziehen das 13 Songs starke Werk, auf dem er bewusst breitflächig zeigen möchte, was alles in ihm steckt. „Man muss einfach darauf achten, keine programmierte Musik zu erschaffen. Wenn du dir bewusst ein bestimmtes Thema zurechtlegst, fehlt dir die Authentizität. Es kann zwar sehr ermüdend sein, aber um wirklich ehrlich rüberzukommen, musst du an jedem Tag in deine tiefsten Erinnerungen und Emotionen eintauchen.“ „Without Fear“ ist für Kennedy eine Art Memo an sich selbst. Wie man sich zwischenmenschlich verhält, sein Leben lebt und die Menschen, die man um sich herum liebt, behandeln sollte. „Es mag abgedroschen klingen, aber die Grundidee ist, ein gutes Leben zu führen und das Beste aus diesem Leben zu machen.“

Rund 80 Ideen hatte Kennedy über die Jahre für das Album gesammelt, sie auf 13 zu komprimieren fiel ihm naturgemäß nicht leicht. So viel zu sagen, so viel zu berichten, aber eben nicht ausreichend Raum, um all das auch standesgemäß ausnutzen zu können. Die Nostalgie war dabei sein ständiger Begleiter. „Das lässt sich nicht ausklammern, ohne geht es nicht. Ich bin aber prinzipiell jemand, der gerne Zwischenmenschliches anspricht. Hozier hat unlängst diesen famosen Song ,Nina Cried Power‘ gemacht, der sich um Aktivismus und Protest dreht. Ich respektiere das und weiß, dass ich so einen Song noch nicht geschrieben habe. Dazu muss aber auch das Gefühl passen, denn nur um zeitgemäß und trendig zu klingen, darf man sich nicht zu sehr versteifen.“ Die Inhalte in persönlichen Songs wie „What Have I Done“ oder „Outnumbered“ persönlich und offen zugleich zu halten, war für Kennedy die schwierigste Aufgabe.

Bedingungslose Hingabe
„Prinzipiell ist mir die Musik am Wichtigsten. Wenn ich gerade an instrumentalen Details feile, sind mir die Texte völlig egal. Die kommen erst später und da muss ich immer auf andere Menschen in meinem Leben achten. Natürlich wollen Familie und Freunde nicht immer hören, was ich zu sagen habe, aber ich muss, denn sonst bräuchte ich gar nicht erst zu schreiben. Wichtig ist nur, niemanden offensichtlich bloßzustellen.“ Geprägt wurde seine Arbeitsethik übrigens vom Fußball. Sein größtes Idol ist nämlich nach wie vor das irische Mittelfeldraubein Roy Keane, eine Manchester-United-Legende. „Er war wirklich ein Irrer, aber im positiven Sinne“, lacht Kennedy, „er hat einmal das Champions-League-Finale wegen einer Gelbsperre verpasst. Andere würden sich im Halbfinalmatch aufgeben, er hat sich reingeworfen, ist noch mehr gelaufen und hat noch mehr gearbeitet als zuvor. Diese Hingabe hat mich fasziniert Gut, Keane hat immer alle gehasst, während es in der Musik um Zusammenarbeit, Liebe und Freundschaft geht, aber ich hoffe zumindest, die guten Teile von Keane mitgenommen zu haben.“

Wer Kennedy beim Frequency verpasst hat, oder ihn gerne noch einmal sehen will, hat dazu am 6. November im Wiener Gasometer die Gelegenheit. „Erwartet keinen zu ruhigen Abend. Wir werden zu viert oder zu fünft sein und diese Konstellation ist weit von einem gewöhnlichen Singer/Songwriter-Abend entfernt. Es wird definitiv eine breite Produktion und sehr viele üppige Momente geben.“ Karten für das Konzerthighlight gibt es unter www.oeticket.com.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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