Glassplitter im Auge

„Nach 35 Jahren kann ich jetzt wieder sehen“

An einem Sonntagmorgen vor 35 Jahren änderte sich das Leben von Eduard Brameshuber (72) aus Linz schlagartig. Mit einem Messer versuchte er, ein Marmeladenglas zu öffnen - dabei löste sich ein Splitter, traf ihn direkt ins linke Auge. Von diesem Tag an war er fast blind - seit zwei Monaten kann er wieder sehen.

„Beim gemütlichen Sonntagsfrühstück wollte ich ein Marmeladenglas mit einem Messer öffnen. Auf einmal ist ein Glassplitter weggesprungen, hat mir mein Auge zur Hälfte zerschnitten, der Saft ist rausgelaufen“, erzählt der rüstige Pensionist von seinem Schicksalstag vor 35 Jahren. Seine Frau Ingeborg (70) rief sofort die Rettung. In einer langen Operation versuchten Ärzte, sein Augenlicht zu retten - leider ohne Erfolg.

„Hab gesehen als wäre dichter Nebel“
„Die Ärzte konnten zwar das Auge erhalten, ich hab aber kaum mehr was gesehen. Man kann sich das wie einen dichten Nebel, in dem man nur manchmal ein paar Farbtupfer sieht, vorstellen“, erzählt er. Doch der lebensfrohe 72-Jährige ließ sich davon nicht unterkriegen: „Mein erster Gedanke war: Es gibt ja auch einen Fußballer, der nur auf einem Auge sieht. Wenn der das schafft, dann kann ich mein Leben auch meistern.“ Brameshuber war stark, ließ sich seine Hobbys von seiner Sehschwäche nicht nehmen: „Sicher hat es Einschränkungen gegeben, vor allem beim Lesen oder Autofahren. Eine spezielle Linse, die mir geholfen hätte, hab ich nicht vertragen.“

Fortschritt in der Medizin
Die Medizin machte dann immer größere Fortschritte, immer mehr wurde möglich. Schon vor zehn Jahren hatte der fast blinde Linzer die Idee, ob ihm nicht eine Operation doch noch helfen könnte. „Ich hab schon noch eine Chance gesehen, auch meine Augenärztin hat gesagt, dass es eventuell machbar wäre. Damals war die Medizin aber einfach noch nicht weit genug, das Risiko noch zu groß“, erzählt er. Vor vier Monaten wagte der Linzer dann doch noch einen Versuch. In einem Mail schilderte er Matthias Bolz, Augenspezialist am Kepler-Universitätsklinikum, seine Verletzung. „Nur zwei Stunden später hab ich die Antwort bekommen, dass ich vorbeikommen solle“, erzählt Brameshuber mit einem Lächeln in seinem Gesicht.

„Unglaubliches Gefühl“
Dann ging alles Schlag auf Schlag. Vor zwei Monaten stand sein langersehnter OP-Termin an. Als Eduard Brameshuber aufwachte, konnte er es kaum glauben: „Auf einmal konnte ich wieder alles sehen, fühlte mich richtig frei. Das ist einfach nur der Wahnsinn, das Gefühl war unglaublich.“ Sein Held im weißen Kittel, Matthias Bolz, erzählt, dass Fälle wie dieser gar nicht so selten sind: „Es gibt viele Patienten, die zehn bis 20 Jahre alte Augenverletzungen haben. Dank der immer besser werdenden Technik ist aber heutzutage vieles möglich.“

Lisa Stockhammer
Lisa Stockhammer
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