10.09.2019 15:04 |

Dschihadisten-Prozess

Angeklagter Prediger (47): „Das sind alles Lügen!“

Am Grazer Straflandesgericht ist am Dienstag der Prozess gegen sechs mutmaßliche Dschihadisten fortgesetzt worden Gab sich der Hauptangeklagte, ein 47-jähriger Prediger, anfangs betont höflich und verbindlich, so wurde er mit der Zeit immer wieder etwas ungehalten: „Das sind alles Lügen“, meinte er zu den Vorwürfen.

Den Angeklagten wird neben den Verbrechen der terroristischen Vereinigung und kriminellen Organisation zum Teil auch das Bilden einer staatsfeindlichen Verbindung vorgeworfen. Der Hauptangeklagter soll in einem Linzer Glaubensverein und bei Gastvorträgen junge Männer radikalisiert haben.

Männer zum IS geschickt?
Die Befragung des 47-jährigen Predigers wurde am Dienstag fortgesetzt. Im Mittelpunkt standen jene Männer, die er zur Terrororganisation Islamischer Staat geschickt haben soll.

„Haben Sie einen von denen bewogen, nach Syrien in den Kampf zu gehen?“, wollte die Richterin wissen. „Wenn ich das gesagt habe, geh nach Syrien, habe ich immer gemeint als Unterstützer der Menschheit, das hat mit Kampf nichts zu tun“, rechtfertigte sich der Angeklagte. „Haben diese Männer Ihre Vorträge gehört?“, fragte die Vorsitzende weiter. „Da kann jeder kommen“, wehrte der Beschuldigte ab.

„Es war nicht mein Schüler“
Zur Sprache kam auch ein Brüderpaar, das in Graz bereits vor Gericht gestanden ist. Der Ältere wurde wegen Tätigkeit für den IS zu zwölf Jahren Haft verurteilt, der Jüngere wurde freigesprochen. Den Kontakt zum Kämpfer leugnete der Prediger jetzt weitgehend. „Er war nicht mein Schüler“, betonte er. Vom Einsatz in Syrien habe er nichts gewusst: „Mich hat nicht interessiert, wo er war.“

„Was gesagt wird, sind Lügen“
Für den Mann soll vor seiner Abreise auch Geld gesammelt worden sein: „Das kann sein, weil er Student ist in Ägypten. Aber ich kann mich nicht erinnern“, gab der Befragte an. „Er soll 1069 Euro für eine Kampfausrüstung bekommen haben“, konfrontierte ihn die Richterin mit der Anklage. „Nein, das ist unmöglich“, sagte der Prediger dezidiert. „Was gesagt wird, sind Lügen“, betonte er mehrfach.

IS-Flagge auf Homepage
Bei der Befragung des angeklagten Predigers durch den Staatsanwalt ist es auch um die schwarze IS-Flagge gegangen, die auf der Homepage des Linzer Glaubensvereins zu sehen war. „Ich habe keine Ahnung davon gehabt“, rechtfertigte sich der Angeklagte. Im Übrigen lehne er die Terrororganisation Islamischer Staat ab, betonte er.

Die seit 2015 in Österreich verbotene schwarze Flagge wurde vom Bruder eines Mannes, der in Syrien für den IS kämpfte, auf die Seite des Vereins gestellt. Der Mann selbst wurde allerdings vom Prediger ausgebildet, merkte der Ankläger an.

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