Heikler Staatsbesuch
Demonstrative Einigkeit bei Karzais Ankunft in den USA
Im Zuge von Karzais umstrittener Wiederwahl im vergangenen Jahr hatte die US-Regierung Korruption und Wahlmanipulationen in Afghanistan kritisiert. Eikenberry hatte außerdem Karzais Zuverlässigkeit offen infrage gestellt. Auch der US-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Richard Holbrooke, dem ein gespanntes Verhältnis zu Karzai nachgesagt wird, begrüßte den Gast aus Kabul persönlich. Wenn es einst so gewesen sei, dass die Beziehungen "getrübt" waren, so wolle er nun "kategorisch" festhalten, dass "diese Periode abgeschlossen" sei, sagte Holbrooke.
Karzai wurde von Außenministerin Hillary Clinton im Blair House, dem offiziellen Gästehaus der US-Regierung, begrüßt. Für Mittwoch ist eine Begegnung Karzais mit Präsident Barack Obama im Weißen Haus geplant. Zu den Themen zählen die Entwicklung der Landwirtschaft in Afghanistan sowie die Ausbildung von Polizeikräften und Soldaten. Karzai dürfte seine mehrfach geäußerte Forderung unterstreichen, dass die Zahl der zivilen Opfer bei den ausländischen Militäreinsätzen in Afghanistan drastisch reduziert werden müsse. Zudem geht es um eine Einbeziehung der Taliban in den politischen Dialog.
Karzai drohte offen mit Widerstand gegen NATO-Offensive
Erst kürzlich hatte Karzai bei einem Treffen mit Stammesältesten offen mit Widerstand gegen die anstehende Großoffensive der NATO in der Taliban-Hochburg Kandahar gedroht. Außerdem verbat er sich - offenbar als Replik auf die stetige Forderung der Verbündeten nach Fortschritten bei der Korruptionsbekämpfung - ausländische Einmischung in die Regierungsgeschäfte.
Die afghanische Regierung hat nun für Ende Mai eine nationale Friedensversammlung (Loya Jirga) nach Kabul einberufen. Die Versammlung hätte ursprünglich schon Anfang Mai zusammentreten sollen. Ab 29. Mai sollen mehr als 1.000 Abgesandte aus allen Landesteilen über eine Einbindung der Taliban in den Befriedungsprozess beraten. Karzai könne nach seiner USA-Reise der Versammlung über die amerikanische Afghanistan-Politik Bericht erstatten, sagte der Organisator, Erziehungsminister Faruk Wardak.
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