Kredit-Ansuchen

Griechenland bittet um “sofortige” 20 Milliarden

Ausland
11.05.2010 12:44
Griechenland will bei der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds eine erste Tranche aus dem Hilfspaket beantragen. Athen bittet um zunächst 20 Milliarden Euro, wie am Dienstag aus dem Finanzministerium in Athen verlautete. Die Auszahlung müsse "sofort erfolgen, vielleicht schon innerhalb des Tages", hieß es. Der Euro hat indes auf den Märkten wieder an Wert verloren.

Griechenland ist hoch verschuldet und hat nach der mehrfachen Abwertung seiner Kreditwürdigkeit Probleme, neues Geld an internationalen Finanzmärkten zu leihen. EU und IWF hatten Athen Kredite von bis zu 45 Milliarden Euro allein für dieses Jahr zugesagt, innerhalb von drei Jahren sollen bis zu 110 Milliarden Euro fließen können. 

Bei der ersten Auszahlung sollen laut Athen 14,5 Milliarden Euro von den Euro-Staaten kommen und 5,5 Milliarden Euro vom IWF, wobei drei Milliarden Euro zu einem Zinssatz von 1,3 Prozent und ein zweiter Betrag in Höhe von 2,5 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von 3,30 Prozent überwiesen wird. Das IWF-Geld könnte schon am Mittwoch eintrudeln, hieß es in Athen. Für Griechenland wird am 19. Mai eine Staatsanleihe mit neun Milliarden Euro fällig.

Finanzminister will bei Scheitern Rücktritt erklären
Der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou hatte zuvor angekündigt, dass er zurücktreten werde, sollte sein Sparprogramm keinen Erfolg haben. "Wenn wir weitere Maßnahmen treffen müssen, würde dies bedeuten, dass ich gescheitert bin. Dann werde ich zurücktreten", sagte Papakonstantinou dem griechischen Sender Skai. In dem Interview, das am späten Montagabend ausgestrahlt wurde, meinte Papakonstantinou, Griechenland werde nach dem 19. Mai zunächst "über dem Berg" sein. 

Die griechische Regierung hatte am Montag weitere Einsparungen beschlossen. Betroffen sind diesmal die Renten-, Pensions- und Krankenkassen (siehe Bericht in der Infobox). "Wenn wir jetzt nichts unternehmen, werden die Kassen zusammenbrechen. Ohne Reformen wird es keine Renten geben", sagte Arbeitsminister Andreas Loverdos bei der Präsentation eines Gesetzesentwurfes.

Gewerkschaften demonstrieren wieder
Nach einer relativ ruhig verlaufenen Woche wollen die griechischen Gewerkschaften indes wieder gegen das radikale Sparprogramm der sozialistischen Regierung in Athen mobil machen. Die beiden größten Gewerkschaftsverbände des privaten und staatlichen Sektors haben für Mittwoch zu einer Demonstration im Zentrum Athens am frühen Abend aufgerufen. Die Gewerkschaften wollen danach in den kommenden zwei Tagen entscheiden, ob sie erneut mit umfangreichen Streiks auf die Sparpolitik reagieren wollen.

Euro und Börsenkurse geben nach
Der Eurokurs ist indes am Dienstagvormittag trotz des überraschend umfangreichen Rettungsschirms für finanziell angeschlagene Euro-Staaten wieder deutlich zurückgefallen. Im frühen europäisch dominierten Handel stand die Gemeinschaftswährung bei 1,2722 US-Dollar. Die Erleichterung der Finanzmärkte über das Rettungspaket hatte den Kurs der Gemeinschaftswährung am Montag noch zeitweise bis knapp unter 1,31 Dollar getrieben. 

Auch die europäischen Börsen haben Dienstag früh wieder nachgegeben. Der Euphorie über das gewaltige Rettungsnetz für angeschlagene Mitglieder der Euro-Zone, die vor allem die Kurse von Banken sprunghaft steigen ließ, folgt nun offenbar die Ernüchterung. Um 10.15 Uhr notierte der DAX in Frankfurt mit 5.953,01 Punkten, das entspricht einem Minus von 64,90 Einheiten oder 1,08 Prozent. In London fiel der FT-SE-100 65,4 Einheiten oder 1,21 Prozent auf 5.322,04 Zähler. Der die 50 führenden Unternehmen in der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion umfassende Euro-Stoxx-50 verlor 47,55 Einheiten oder 1,72 Prozent auf 2.711,34 Punkte. Der ATX in Wien startete mit minus 0,84 Prozent.

60-Milliarden-Anteil der EU verabschiedet
Die EU-Bildungsminister haben indes die im Rahmen des 750 Milliarden Euro schweren Rettungsschirms enthaltene 60-Milliarden-Gemeinschaftshilfe der EU im Schnellverfahren am Dienstagvormittag abgesegnet. Die 440 Milliarden an Garantien der Euro-Länder müssen die jeweiligen Parlamente verabschieden. In Deutschland hat die Regierung am Dienstagvormittag das milliardenschwere Rettungspaket bereits gebillligt. Die Bundestagsfraktionen verhandeln noch über die Milliardenbürgschaften, die für Deutschland 123 Milliarden Euro ausmachen.

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