Ölpest vor US-Küste

Kleinere Glocke kommt ++ Firmen streiten über Schuld

Ausland
11.05.2010 08:02
Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko setzt der Konzern BP nun auf eine kleine Stahlglocke. Sie soll noch vor Ende dieser Woche über das Hauptleck in 1.500 Metern Tiefe gestülpt werden. Ein Versuch mit einem deutlich größeren Stahl-Container war vergangenes Wochenende gescheitert. Unterdessen schieben sich BP und andere an der gesunkenen Ölplattform beteiligte Firmen gegenseitig die Schuld für die Katastrophe zu.

Sowohl der Ölkonzern BP als auch die Betreiberfirma Transocean und der Dienstleister Halliburton stehen unter Verdacht, für die Explosion auf der Plattform verantwortlich zu sein. Am Montag wurden der Nachrichtenagentur AP vorbereitete Aussagen von BP-Managern bekannt, die diese in Anhörungen vor dem Senat machen wollten.

Darin heißt es, ein Abstellventil - in der Fachsprache Blowout Preventer genannt - der Betreiberfirma Transocean habe versagt. Diese wies die Anschuldigung zurück und erklärte, BP sei für alle Arbeiten auf Plattform verantwortlich gewesen. Technikdienstleister Halliburton wehrte sich unterdessen gegen Vermutungen, Angestellte des Unternehmens hätten mit ihrer Arbeit am Bohrloch etwas mit dem Unglück zu tun, das sich wenige Stunden danach ereignete.

Obama will BP in vollem Umfang zahlen lassen
US-Präsident Barack Obama beriet indes mit einem Krisenstab über das weitere Vorgehen. An der Sitzung im Lageraum des Weißen Hauses nahmen nach offiziellen Angaben vor allem die Minister für Verteidigung, Innere Sicherheit, Energie und Inneres teil. Der Präsident habe eine Delegation unter Leitung seines Energieministers, Physiknobelpreisträger Steven Chu, an die Golfküste entsandt, um den britischen Konzern BP zu drängen, in seinen Bemühungen nach einer Lösung nicht nachzulassen, erklärte das Weiße Haus. 

Obama werde sich weiterhin dafür einsetzen, dass BP nicht nur für die Kosten für die Beseitigung der Ölpest aufkommen werde, sondern auch für alle Entschädigungszahlungen. In New Orleans sollen am Dienstag die offiziellen Untersuchungen zur Unfallsursache anlaufen. Zum Auftakt hält die Küstenwache Anhörungen ab.

Wetter erschwert Bekämpfung der Ölpest
Drei Wochen nach der Explosion der von BP geleaste Plattform "Deepwater Horizon" macht den Behörden derzeit das Wetter die Bekämpfung der Ölpest schwer: Heftige Winde könnten in den kommenden Tagen Teile des Ölteppiches in Richtung Mississippi-Delta drücken. Bisher sind die Küsten der südlichen Bundesstaaten am Golf vom Ölteppich so gut wie verschont geblieben. Am Wochenende war der Versuch gescheitert, eine mehr als 100 Tonnen schwere Stahlglocke über das Hauptleck zu senken, um den Ölaustritt einzudämmen.

Benefizkonzert mit Lenny Kravitz & Co.
Zur Milderung der Not der Fischer am Golf von Mexiko soll in Kürze in New Orleans ein Benefizkonzert veranstaltet werden. Zu den Headlinern des für Sonntag in New Orleans geplanten "Gulf Aid" gehören Lenny Kravitz, Ani DiFranco und Mos Def. Kravitz, der zeitweise in New Orleans wohnt, habe als Erster zugesagt, teilte der Veranstalter Rehage Entertainment mit.

Weitere Musiker bei dem Konzert in der "Mardi Gras World River City" am Mississippi sind Allen Toussaint, Zachary Richard, Jeremy Davenport und The Voice von den Wetland Allstars, zu denen auch Dr. John und Cyril Neville gehören.

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