Immer mehr Opfer

Drama in russischer Mine: Mindestens 32 Menschen tot

Ausland
11.05.2010 12:54
Nach den schweren Methangas-Explosionen in einem Kohlebergwerk im Gebiet Kemerowo in Russland ist die Zahl der Toten am Montag auf mindestens 32 gestiegen. Das teilte Zivilschutzminister Sergej Schoigu am Unglücksort in Sibirien mit, nachdem 17 weitere Leichen geborgen wurden. Für die Rettung der in der Grube "Raspadskaja" verschütteten 58 Bergleute blieben höchstens 48 Stunden, sagte Schoigu.

Russland machte sich am Montag auf das Schlimmste gefasst. "Es bleibt wenig Hoffnung auf Überlebende", sagte Schoigu am Unglücksort. Die Agentur Interfax zitierte ein namentlich nicht genanntes Mitglied des Krisenstabs mit den Worten, die Chancen der in rund 500 Metern Tiefe verschütteten Bergleute seien "praktisch null".

Gefahr von weiteren Explosionen
Zu den Eingeschlossenen im Bergwerk "Raspadskaja" im Gebiet Kemerowo fehlte jeder Kontakt. Deshalb war auch zwei Tage nach den schweren Methangas-Explosionen unklar, ob die Männer noch lebten. Nach Darstellung Schoigus stellten Helfer die Belüftung sowie die Stromversorgung in dem 37 Jahre alten Kohlebergwerk wieder her. Es bestehe aber weiter die Gefahr von Explosionen. Weitere Gebäude über Tage sind einsturzgefährdet. Schoigu sprach auch von der Gefahr eines Wassereinbruchs in das 370 Kilometer lange unterirdische Tunnelsystem.

Bei den am Montag geborgenen 17 Toten handle es sich um Rettungskräfte. Sie hatten die etwa 60 Bergleute befreien wollen. Die Helfer waren aber bei einer zweiten Explosion selbst verschüttet worden. Am Wochenende war zunächst von zwölf Toten die Rede gewesen (siehe Video in der Infobox).

Unzureichende Sicherheitsvorkehrungen
Vor dem Sitz der Unternehmensleitung warteten am Montag verzweifelte Angehörige auf ein Lebenszeichen der Verschütteten. Obwohl die Bergleute noch nicht gerettet sind, steht die Höhe der Entschädigung schon fest. Familien von getöteten Arbeitern sollen umgerechnet 25.000 Euro erhalten. Zum Zeitpunkt der ersten Detonation am Samstagabend waren 359 Arbeiter unter Tage gewesen.

Das betroffene "Raspadskaja"-Kohlebergwerk ist das größte seiner Art in Russland. Auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion kommt es wegen unzureichender Sicherheitsvorkehrungen immer wieder zu schweren Grubenunglücken mit hohen Opferzahlen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen Verstoßes gegen den Arbeitsschutz.

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