Vereitelter Anschlag
Taliban-Gruppe bekennt sich zu Bombe in New York
US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano hatte noch am Sonntagnachmittag erklärt, dass die Behörden von einem Einzeltäter ausgehen. Alle Spuren sowie die amateurhafte Bauweise des Sprengsatzes würden darauf hindeuten.
Wenige Stunden später bekannte sich laut dem auf die Beobachtung islamistischer Websites spezialisierten Unternehmen SITE eine pakistanische Taliban-Gruppierung zu dem Anschlag. Djihad-Kämpfer hätten den mit Sprengstoff präparierten Wagen platziert, hieß es. Das Attentat wäre als Vergeltung für den Tod der beiden "Talibananführer al-Baghdadi und al-Mahadjer sowie muslimischer Märtyrer" gedacht gewesen.
Straßenverkäufer alarmierte Polizist
Das Fahrzeug, ein dunkler Nissan Pathfinder mit getönten Scheiben, wurde Samstagnacht direkt vor einer Filiale der Bank of America am Times Square abgestellt. Der Geländewagen parkte mit laufendem Motor in der Nähe der Musical-Show "König der Löwen", wo gerade ein Vorstellung anlaufen sollte. Die Nummernschilder aus dem Bundesstaat Connecticut gehörten nicht zum Fahrzeug.
Ein Straßenverkäufer, laut Bürgermeister Michael Bloomberg ein Vietnam-Veteran, machte einen berittenen Polizisten auf den Rauch aufmerksam, der aus einer Kiste auf dem Rücksitz des Geländewagens kam. Der Beamte roch Schießpulver und rief sofort Verstärkung. Während die Polizei das Auto sicherte, liefen noch Touristen in Abendkleidern die Straßen entlang. Es war eine der wärmsten Nächte des Jahres und der Abend mit den meisten Besuchern der Woche für die Broadway-Theater.
"Explosion und enormes Feuer" hätten gedroht
Bloomberg war bei der eilig einberufenen Pressekonferenz direkt am Tatort noch im Abendanzug mit weinroter Fliege. "Die Experten der Polizei haben bestätigt, dass es sich wie befürchtet um einen Sprengsatz handelt", teilte er mit. "Wir sind sehr glücklich, dass dank eines aufmerksamen New Yorkers und eines mutigen Polizisten ein tödliches Ereignis abgewendet werden konnte."
Nach seinen Angaben wurde in dem Auto eine Sprengvorrichtung mit drei Propangasflaschen und zwei Benzinkanistern mit jeweils fünf Gallonen (18,9 Liter) gefunden, zudem Feuerwerkskörper, Drähte und Batterien. "Das hätte eine Explosion und ein enormes Feuer geben können", sagte Bloomberg. Der Sprengsatz wirkte laut Bloomberg zwar "amateurhaft", hätte aber "mit Sicherheit" detonieren können.
Polizei riegelte Times Square weiträumig ab
Die Polizei riegelte das Gebiet zunächst weiträumig ab. Der Broadway wurde zwischen der 43. und der 46. Straße gesperrt, Tausende Passanten, Touristen und Theaterbesucher mussten die Gegend um den Platz verlassen. Viele Schaulustige drängten sich an den Absperrgittern. "Dies ist eine ganz andere Art von Show", sagte eine Touristin, die ihr Musical nicht besuchen konnte.
Acht Stunden lang war der sonst zu den belebtesten Plätzen der Welt zählende Times Square mit seinen bunten Leuchtreklamen menschenleer. Während die Touristen an den Absperrgittern Fotos der anrückenden Polizei- und Krankenwagen machten, wurde der Wagen zuerst von einem Roboter geöffnet. Dann untersuchten Experten in gepanzerten Schutzanzügen den Sprengsatz.
Polizei hofft auf Amateuraufnahmen
New Yorks Polizeichef Raymond Kelly sagte, dass der Wagen um 18.28 Uhr von einer Überwachungskamera gefilmt wurde. Ein Fahrer sei auf den Bildern aber nicht erkennbar. Jetzt würden weitere Überwachungsvideos gesichtet, das sollte aber eine Weile dauern. Der Sicherheitsexperte und frühere New Yorker Polizist Thomas Ruskin rief Touristen auf, ihre Urlaubsvideos von dem Abend durchzusehen. Möglicherweise sei bei der großen Zahl der Bilder und Filme, die auf dem Times Square geschossen werden, auch der Verdächtige zu sehen.
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