Fünf Stunden lang mussten in der Nacht zum Freitag die zwei Streifenpolizisten und sieben Zeugen einer Welser Richterin, Staatsanwältin und den Ermittlern vorführen, was in der Nacht zum Mittwoch an der Laakirchener Weinstraße passiert ist: Wie der gehbehindert und schwerhörige Opa Josef Schmiedinger (84) zuerst einen verirrten Zeitungszusteller (22) für einen Einbrecher gehalten hatte und mit seiner Pistolen-Attrappe bedroht hat – und dann die alarmierten Ordnungshüter ebenso.
"Schleicht's euch! Ihr kennt mich eh..."
Die Beamten waren ohne Blaulicht vorgefahren, ohne Dienstkappen ausgestiegen und hatten an der Tür des beleuchteten Hauses geklingelt und geklopft, doch der Besitzer machte nicht auf. Erst als die Polizisten weggingen, öffnete er und schrie er: "Schleicht's euch! Ihr kennt mich eh, wir haben eh schon was miteinander zu tun g'habt", obwohl noch nie die Exekutive in seinem Haus gewesen war.
Der ängstliche Mann richtete seine gefährlich aussehende Walther-P38-Replika auf die vermeintlichen Einbrecher, obwohl die Aufschriften auf ihren Uniformen reflektierten, obwohl sie die Warnung "Polizei" lauthals hinausschrien.
"Ich hätt' auch geschossen", sagt ein Teilnehmer des Lokalaugenscheins, "denn die Kollegen mussten wirklich befürchten, erschossen zu werden".
Anklage hängt von Gutachten ab
Deshalb ermittelt die Staatsanwaltschaft seit Freitag nicht mehr wegen Mordverdachts, sondern "nur" noch wegen fahrlässiger oder vorsätzlicher Körperverletzung mit tödlichem Ausgang. Ob der Schütze dann tatsächlich angeklagt wird, hängt noch von Gerichtsgutachten ab.
von Richard Schmitt, "Oberösterreichische Krone"
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