01.08.2019 06:00 |

Bergwacht klärt auf

Hochsaison im Wald: Was Pilzjäger beachten müssen

Die Hauptsaison ist eröffnet! Der Regen der vergangenen Tage hat die Pilze ins Freie gelockt. Die Schwammerljäger schwärmen aus. Die Tiroler Bergwacht schaut darauf, dass Pilzfans nicht übers Ziel hinausschießen. Sorge bereiten Vielsammler und Massenaufläufe in den bekannten Pilzregionen.

Wer mit den Frauen und Männern der Tiroler Bergwacht unterwegs ist, der kann was erzählen. Die Hüter der Wald- und Wiesenordnung beschäftigt in den kommenden Wochen ein Thema besonders: Pilze.

Ansturm im Wald
„In den vergangenen Tagen haben wir bereits deutlich mehr Frequenz registriert“, bestätigt Gottlieb Schwaiger, Chef der Bergwacht Matrei am Brenner und Umgebung. Das Wipptal gilt als besonders reiches Schwammerlgebiet und ist für die pilzverliebten Italiener neben Osttirol ein bevorzugtes „Jagdrevier“. Gut in Erinnerung ist der Aufgriff von vier Italienern, die im vergangenen Jahr bei Schmirn mit 64 Kilogramm Pilzen im Kofferraum erwischt wurden.

Disziplin verbessert
Solche Mengen sind natürlich nicht mit der Tiroler Pilzschutzverordnung vereinbar (siehe Grafik). Doch Schwaiger kann aus 28 Jahren Erfahrung berichten, dass sich die Sammeldisziplin der Pilzfans gebessert habe: „Wir versuchen, mit Aufklärung den Menschen das Bewusstsein für die notwendigen Einschränkungen im Wald zu geben.“ Der von vielen Einheimischen als „Invasion“ bezeichnete Pilztourismus aus dem Süden, beschäftigt die freiwilligen Mitarbeiter der Bergwacht im Sommer intensiv. Weil in Südtirol das Sammeln streng geregelt ist, weichen viele über die Grenze aus. „Wir beobachten, dass das Pilzwissen vieler Italiener ausgesprochen gut ist. Sie sammeln behutsam und halten sich zum großen Teil an die Mengenbeschränkungen“, erwähnt Schwaiger Positives vorweg.

„Regeln überdenken“
Doch dann spricht er vom großen Aber: Um möglichst viel Ausbeute zu bekommen, würden Familien oft im Konvoi anrücken. „Da werden auch Babys mitgenommen, weil die Pilzverordnung zwei Kilo pro Person zulässt“, beschreibt der Bergwächter eine typische Situation. Er persönlich könne einer Überarbeitung der Pilzverordnung aus dem Jahr 2005 viel abgewinnen. „Zwei Kilo pro Person, die zumindest 12 Jahre alt ist. Und eine Rückkehr zur Regelung, wonach nur an geraden oder ungeraden Tagen gesammelt werden darf“, formuliert der Bergwachtchef eine möglich Variante. Denn eines beobachten die 1300 Mitglieder der Bergwacht: Immer mehr Menschen wollen zurück zur Natur und suchen Erholung im Wald und am Berg. Negative Begleiterscheinungen sind Müll, beunruhigtes Wild und Weidevieh, zerstörte Jungpflanzen. Schwaiger: „Was uns Sorge bereitet, ist die Unachtsamkeit gegenüber der Natur.“ Der dringende Appell des Bergwächters: „Kein Lärm im Wald, keinen Müll zurücklassen. Pilze, die man nicht braucht, stehen lassen und sich am Anblick intakter Natur erfreuen.“

Claudia Thurner
Claudia Thurner

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