28.07.2019 09:30 |

Stefan Stocker (58)

Seit 37 Jahren Lokführer aus Leidenschaft

44 neue Lokführer suchen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) heuer in Tirol. Wegen einer Pensionierungswelle werden in den nächsten fünf Jahren sogar 800 (!) Stellen in allen Berufszweigen ausgeschrieben. Die „Krone“ war mit einem erfahrenen Lokführer unterwegs, der betont: „Ich kann den Job nur empfehlen!“

1976 hat der Osttiroler Stefan Stocker (58) bei den ÖBB begonnen. „Ich habe eine Maschinenschlosser-Lehre absolviert. Sie war damals Voraussetzung für die Ausbildung zum Lokführer“, erinnert er sich. Die Lokführer-Dienstprüfung hat er 1982 mit Bravour gemeistert. Seither – also seit stolzen 37 Jahren – ist er als ÖBB-Lokführer unterwegs. „Ich übe meinen Beruf immer noch gerne aus“, sagt er überzeugend. Vor allem die Strecke Innsbruck-Wien hat es ihm angetan. „Hier sind wir mit bis zu 220 km/h unterwegs, da geht richtig was ab“, schmunzelt er.

Große Verantwortung
Was sind die Herausforderungen eines Lokführers? Die Konzentration spielt hierbei eine tragende Rolle. „Während der Fahrt geht es oft gleichmäßig dahin. Doch plötzlich muss man spontan auf etwas reagieren. Diese unregelmäßigen Intervalle sind anstrengend. Nach einer langen Fahrt lege ich mich daher gerne nieder, um bei der Rückfahrt wieder fit zu sein“, schildert Stocker. Denn passieren sollte nichts – immerhin trägt der Lokführer auch die Verantwortung für den Zugführer sowie die Passagiere. „Ich kann mit diesem Druck gut umgehen. Diese Verantwortung sollte man jedoch überwiegend ausblenden“, ist der 58-Jährige überzeugt.

Gerissene Oberleitung krachte gegen Scheibe
Und das hat er bei seiner allerersten Fahrt auch getan. „Das war die Herausforderung schlechthin“, sagt er und schildert weiter: „Es war ein kalter Wintertag, an dem es heftig schneite. Ich musste kurzerhand für einen ausgefallenen Lokführer einspringen und mit dem Schnellzug nach Kufstein fahren. Es hat alles gut funktioniert, ich war allerdings schweißgebadet“, lacht er.

Schreckmomente
Und ein weiterer Schreckmoment ist ihm in guter Erinnerung geblieben. „Eines Tages lenkte ich gegen 22 Uhr einen Zug von Innsbruck nach Seefeld. Wie aus dem Nichts krachte plötzlich etwas gegen die Scheibe, es wurde taghell. Ich dachte, nun sei alles vorbei“, schildert Stocker. Es handelte sich um eine gerissene Oberleitung, Verletzte gab es dabei zum Glück keine.

Mit Kindergarten-Kinder Entenfamilie gerettet
Doch auch zahlreiche „nette Episoden“ habe er im Laufe seiner Dienstjahre erlebt. Eine davon hat sich auf der Fahrt nach Reutte zugetragen. „Eine Kindergarten-Gruppe samt Betreuerin, die auf einem Fußweg Nahe der Gleise spazierten, fing auf einmal an, hektisch zu winken. Ich hielt an und sah, dass eine Entenfamilie über die Gleise watschelte“, erinnert sich der Osttiroler. Mit vereinten Kräften haben sie dann die Tiere auf die andere Seite getragen. Die Verspätung nahm der Lebensretter dafür gerne in Kauf.

Zwei Nachtteile, aber eine Empfehlung
Erlebt hat der Osttiroler, der seit Jahren in Innsbruck wohnt, wahrlich viel. Erfahrungen, die ihn geprägt haben. Erfahrungen, die seinen Beruf ausmachen. „Ich kann den Job als Lokführer jedem einzelnen empfehlen, insofern, wenn man sich mit zwei Nachteilen arrangieren kann: Die Dienstzeiten sind unregelmäßig und im Führerstand verbringt man viel Zeit alleine“, sagt Stocker.

Daten und Fakten
In Tirol gibt es derzeit rund 380 Lokführer, davon sind sechs Frauen. Jedes Jahr werden 44 neue Lokführerinnen und Lokführer gesucht - und zwar sowohl in Tirol als auch in Vorarlberg. Bestimmte Voraussetzungen wie zum Beispiel eine Maschinenschlosser-Lehre gibt es nicht mehr. Es muss lediglich ein Aufnahmetest samt medizinischer Untersuchung, Psychotest und persönlichem Gespräch absolviert werden. Im Laufe der Jahre werden kontinuierlich Fortbildungen angeboten. In den kommenden fünf Jahren steht bei den ÖBB eine Pensionierungswelle an. Österreichweit werden in allen Berufsgruppen - Lokführer, Schaffner, Zugbegleiter, Techniker und Co. - rund 10.000 Personen gesucht. In Tirol werden 800 Stellen ausgeschrieben. Nähere Informationen gibt es unter: https://karriere.oebb.at/de/bewerbung

Jasmin Steiner
Jasmin Steiner
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