Zahlen korrigiert

Griechenlands Defizit beträgt sogar 13,6 Prozent

Ausland
22.04.2010 11:04
Die prekäre Finanzlage für Griechenland hat sich laut der jüngsten Prognose von Eurostat vom Donnerstag weiter verschlechtert. Für das vergangene Jahr wird mit 13,6 Prozent nun ein noch höheres Budgetdefizit vorausgesagt, ursprünglich war von 12,7 Prozent die Rede gewesen. Eine Aktivierung des Euro-Hilfsplans wird nun immer wahrscheinlicher.

Das vergangene Jahr hat für alle EU-Staaten ein Defizit gebracht. Es gibt in keinem Land Überschüsse. Das Durchschnittsdefizit aller 27 EU-Staaten ist 2009 gegenüber dem Jahr davor um 2,3 auf 6,8 Prozent angestiegen, meldete Eurostat. Bei den 16 Euro-Ländern gab es eine Erhöhung um 2,0 auf 6,3 Prozent. 

Griechenland in Schulden- und Defizitfalle
Griechenland ist in Sachen Defizit übrigens nicht Spitzenreiter: Hier führt Irland mit 14,3 Prozent das Ranking an. Allerdings liegt die Verschuldung der Iren mit 64 Prozent des BIP unterhalb des europäischen Durchschnitts, der laut den neueste Zahlen 73,6 Prozent beträgt. Was den Schuldenstand Griechenlands betrifft, steigt dieser 2009 auf 115,1 Prozent des BIP oder 273 Milliarden Euro an. Hier wird Griechenland nur noch von Italien überboten, das mit 115,8 Prozent verschuldet ist, dabei aber "nur" ein Defizit von 5,3 Prozent aufweist.

Eurostat meldete allerdings Vorbehalte zu den von Griechenland gemeldeten Daten an. Begründet wird dies damit, dass es "aufgrund von Unsicherheiten beim Überschuss der Sozialversicherung für das Jahr 2009, der Klassifizierung von einigen öffentlichen Einrichtungen und der Erfassung von off-market Swapgeschäften" einen solchen Vorbehalt gebe. Es könnte noch eine Revision in der Größenordnung von 0,3 bis 0,5 Prozentpunkten des BIP für das Defizit und von 5 bis 7 Prozentpunkten für den Schuldenstand geben.

Pröll: Griechenland taktiert bei Nothilfe
Österreichs Finanzminister Josef Pröll hat der griechischen Regierung am Donnerstag vorgeworfen, bei der Inanspruchnahme der zugesagten Hilfsgelder zu taktieren. Griechenland müsse jetzt die Fakten außer Streit stellen, die Themen offenlegen und die Vorgaben des Währungsfonds und der EU akzeptieren, sagte Pröll im Radio Ö1. Griechenland habe jetzt wirklich Bedarf, die Hilfe, die jederzeit anlaufen könnte, auch anzufordern. 

"Das Problem ist offensichtlich, dass auch in der nationalen Regierung in Griechenland taktiert wird in folgender Hinsicht, dass sie gewisse Vorgaben nicht bereit ist einzugehen", sagte Pröll. Auch die Märkte würden Griechenland bereits das eindeutige Signal geben, dass viel Zeit verstrichen sei und dass man handeln solle. An der in Aussicht gestellten Höhe der Hilfe von 30 Mrd. Euro zweifelt Pröll nicht. Keinen Anlass gebe es, über Griechenland hinaus an andere Staaten zu denken, denen geholfen werden müsste.

Österreich auf Platz 21
Nach Irland und Griechenland weist Großbritannien mit 11,5 Prozent (Schulden: 68,1 Prozent des BIP) das dritthöchste Budgetdefizit auf, Spanien kommt auf 11,2 Prozent (Schulden: 53,2 Prozent). Die niedrigsten öffentlichen Defizite weisen Schweden mit lediglich 0,5 Prozent bei einer Verschuldung von 42,3 Prozent des BIP, Luxemburg (0,7/14,5) und Estland (1,7/7,2) auf. Österreich weist eine Neuverschuldung von 3,4 Prozent bei einem Schuldenstand von 66,5 Prozent des BIP auf - das ist im EU-Vergleich der 21. Platz.

 Land

Defizit 
in Prozent des BIP

Schuldenstand 
in Prozent des BIP

 Irland

- 14,3

64,0

 Griechenland

- 13,6

115,1

 Großbritannien

- 11,5

68,1

 Spanien

- 11,2

53,2

 Portugal

-  9,4

76,8

 Lettland

-  9,0

36,1

 Litauen

-  8,9

29,3

 Rumänien

-  8,3

23,7

 Frankreich

-  7,5

77,6

 Polen

-  7,1

51,0

 Slowakei

-  6,8

35,7

 Zypern

-  6,1

56,2

 Belgien

-  6,0

96,7

 Tschechien

-  5,9

35,4

 Slowenien

-  5,5

35,9

 Italien

-  5,3

115,8

 Niederlande

-  5,3

60,9

 Ungarn

-  4,0

78,3

 Bulgarien

-  3,9

14,8

 Malta

-  3,8

69,1

 ÖSTERREICH

-  3,4

66,5

 Deutschland

-  3,3

73,2

 Dänemark

-  2,7

41,6

 Finnland

-  2,2

44,0

 Estland

-  1,7

7,2

 Luxemburg

-  0,7

14,5

 Schweden

-  0,5

42,3

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