Die Schutzhütten auf unseren Bergen haben zum Teil ein sehr stolzes Alter erreicht. Um sie für die Zukunft fit zu machen, sind Sanierungsmaßnahmen notwendig. Nicht nur in finanzieller Hinsicht gibt es Herausforderungen.
Ihr 100-jähriges Bestehen feiern im heurigen Jahr Tirols Seilbahnen, wie die „Krone“ ausführlich berichtete. Zum Teil mehr als 100 Jahre auf dem Buckel haben die insgesamt 223 Schutzhütten, die der Alpenverein in ganz Österreich betreibt. In Tirol sind es 38 Hütten.
Das stolze Alter der beliebten Ausflugsziele lässt es schon erahnen: Bei vielen Bauten im Hochgebirge stehen in den kommenden Jahren Sanierungen an. Ob sie auch wirklich alle auf Vordermann gebracht werden können, ist angesichts der teils hohen Kosten unklar. „Die Baukosten sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Und im Hochgebirge ist Bauen in der Regel rund doppelt so teuer wie im Tal“, betont Georg Unterberger, Leiter der Abteilung Hütten und Wege im Österreichischen Alpenverein.
Der Erhalt und die Weiterentwicklung der Hütten und Wege sind ohne ehrenamtliches Engagement nicht möglich.

Georg Unterberger, Leiter Hütten und Wege
Bild: Christof Birbaumer
Bis zu 90 Prozent der Kosten aus eigener Tasche
Pro Jahr fällt im Durchschnitt eine Hütte weg. Sei es, weil sie sich wirtschaftlich nicht mehr rentiert, oder weil sich niemand findet, der sie weiterbetreiben möchte, wenn ein Pächter das Handtuch wirft.
Wie Unterberger vorrechnet, „haben wir heuer ein Investitionsvolumen von 25 Millionen Euro zu stemmen“. 80 bis 90 Prozent der Erhaltungsmaßnahmen finanziert der Alpenverein selbst. Bei den restlichen zehn bis 20 Prozent hofft man auf Förderungen über das Land oder den Bund.
Im Zuge der Vorbereitungen wurden unter anderem geologische und statische Gutachten eingeholt.

Architekt Armin Neurauter
Bild: Christof Birbaumer
Viele Förderungen erst im Nachhinein
„Bei vielen von diesen Förderungen ist das Problem, dass sie erst nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen grünes Licht bekommen, oder auch nicht.“ Um alle 300 Schutzhütten in Österreich – neben dem Alpenverein werden sie auch von anderen Vereinen betrieben – zu sanieren, bräuchte es die nächsten fünf Jahre rund 95 Millionen Euro. Geld, das in Zeiten, in denen Vater Staat sparen muss, wohl eher nicht zur Verfügung steht. „Obwohl das ja im Prinzip ein Trinkgeld ist, wenn man bedenkt, mit wie viel der Tourismus subventioniert wird“, nimmt sich Unterberger kein Blatt vor den Mund.
Am Glungezer wird Sanierung gewagt
Eine Hütte, bei der die Sanierung gewagt wird, ist jene am Glungezer auf 2610 Metern Seehöhe. 1932 als Starthäuschen für den ersten FIS-Spezialabfahrtlauf errichtet, wuchs die heutige Schutzhütte der Kategorie 1 in den darauffolgenden Jahrzehnten immer weiter an. Geplant sind kommendes Jahr laut Architekt Armin Neurauter „unter anderem die Erneuerung der Schlaflager, der Sanitärbereiche sowie adäquate Unterkünfte für Pächter und Personal. Zentrale Neuerung ist die Optimierung und Neuausrichtung der Betriebsorganisation inklusive Erschließung sowie energetische, statische und geologische Maßnahmen.“
Die Glungezer-Hütte ist für mehrtägige Touren und Hüttenüberschreitungen ein wichtiger Stützpunkt in den Tuxer Alpen.

Herbert Freund, Hüttenreferent AV Hall
Bild: Christof Birbaumer
Anzahl der Schlafplätze bleibt gleich
Die Anzahl der Schlafplätze bleibt mit 48 Betten gleich. „Grund für die Maßnahmen sind erhebliche Mängel der bestehenden Bausubstanz. Ohne Sanierung würden wichtige Bereiche langfristig nicht mehr den betrieblichen, energetischen, bautechnischen und gesetzlichen Anforderungen entsprechen“, verdeutlicht Romed Giner, 1. Vorsitzender des Alpenverein Hall.
Die Kosten für den Umbau liegen bei rund drei Millionen Euro. Die Hütte, in der auf den Winter 500 Nächtigungen und auf den Sommer 3500 Nächtigungen entfallen, bleibt während der gesamten Sommersaison 2027 geschlossen.
Der 1862 gegründete Alpenverein ist Österreichs größter alpiner Verein und in 193 Sektionen aufgeteilt. 25.000 Ehrenamtliche kümmern sich um rund 26.000 Kilometer Alpenvereinswege sowie mehr als 200 Kletteranlagen.
Die Herausforderung beim Umbau besteht darin, dass die Bauzeit aufgrund der wetterexponierten Lage auf Juni bis September begrenzt ist. Rund um die Hütte können Windböen bis zu 250 km/h auftreten. „Die Logistik ist anspruchsvoll und erfordert eine exakte Planung“, weiß Neurauter.
Keine neuen Standorte, sondern Erhalt im Fokus
Sowohl Unterberger und Giner als auch Herbert Freund, Hüttenreferent beim Alpenverein in Hall, betonen abschließend, dass „im Alpenverein grundsätzlich keine neuen Standorte erschlossen werden. Unser Fokus liegt auf der Sanierung bestehender Hütten und auf notwendigen Ersatzbauten. Ziel ist es, die Hütten mit geringem Energieverbrauch, möglichst eigener Energieproduktion und einem sparsamen Umgang mit Wasser fit für die Zukunft zu machen.“
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