Missbrauchsskandal

Umstrittener deutscher Bischof Mixa tritt zurück

Ausland
22.04.2010 09:21
Der umstrittene deutsche Bischof Walter Mixa hat am Mittwochabend seinen Rücktritt eingereicht. Der Schritt folgte nach tagelangen Diskussionen um Misshandlungen von Heimkindern, die Mixa zunächst geleugnet und dann eingestanden hatte. Auch finanzielle Unregelmäßigkeiten werden dem Geistlichen vorgeworfen. Papst Benedikt XVI. hatte zuvor als Reaktion auf den Missbrauchsskandal "kirchliches Handeln" angekündigt.

Das Bistum Augsburg hat Donnerstag früh einen Medienbericht über den eingereichten Rücktritt bestätigt. Die anhaltende öffentliche Diskussion um seine Person habe in den vergangenen Wochen die Priester und Gläubigen im Bistum schwer belastet, heißt es in einem Schreiben des Bischofs an den Papst. Es gilt als sicher, dass Benedikt XIV. Mixas Gesuch annimmt.

Mit seinem Rücktritt wolle er dafür Sorge tragen, "weiteren Schaden von der Kirche abzuwenden und einen Neuanfang zu ermöglichen", so Mixa. In fast 40 Jahren als Priester und 14 Jahren als Bischof "ging es mir immer darum, Zeuge des Evangeliums zu sein und als Seelsorger den mir anvertrauten Menschen zu dienen. Meiner eigenen Schwächen war und bin ich mir dabei wohl bewusst".

"Bitte um Verzeihung"
"Alle, zu denen ich ungerecht gewesen sein mag, und alle, denen ich Kummer bereitet habe, bitte ich heute noch einmal um Verzeihung", erklärte er. "Ich tue diesen Schritt in unerschütterlichem Vertrauen auf die Gnade Gottes und hoffe zuversichtlich, dass der Vater im Himmel die Kirche von Augsburg in eine gute Zukunft führen wird." An einer weiteren lückenlosen Aufklärung aller gegen ihn erhobenen Vorwürfe wolle er auch in Zukunft weiter aktiv mitwirken.

Mixa hat inzwischen eingestanden, Heimkinder in seiner früheren Zeit als Stadtpfarrer geschlagen zu haben, nachdem er zunächst jede Gewalt gegenüber Kindern "reinen Herzens" bestritten hatte. Vorwürfe, er habe als Stadtpfarrer von Schrobenhausen nennenswerte Geldbeträge zum Schaden einer Waisenhausstiftung zweckentfremdet, werden derzeit von einem Sonderermittler und einer Münchner Anwaltskanzlei geprüft. Es geht um überteuerte Kunstwerke und Teppiche, Wein, Möbel, Mixas Bischofsring und ungeklärte Zahlungen, die in Verantwortung von Mixa aus dem Stiftungsvermögen widerrechtlich bezahlt worden sein sollen.

Papst kündigt "kirchliches Handeln" an
Am Mittwoch hatte der Papst vor Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom von den Auswirkungen seines Treffens mit acht ehemaligen Zöglingen eines Waisenhauses gesprochen, die als Minderjährige von Klerikern sexuell missbraucht worden waren. Benedikt XVI. hatte sich während seiner Malta-Reise abweichend vom Besuchsprogramm mit den Opfern getroffen. "Ich haben mit ihnen das Leiden geteilt, tief bewegt mit ihnen gebetet und ihnen das Handeln der Kirche zugesichert", sagte der Papst.

Nach Angaben der katholischen Kirche in Irland nahm der Papst unterdessen das Rücktrittsgesuch des Bischofs von Kildare, Jim Moriarty, an, der wegen des Missbrauchskandals sein Amt niedergelegt hat. Eine entsprechende Erklärung des Heiligen Stuhls werde für Donnerstag erwartet, sagten Gewährsleute in Dublin. Moriarty hatte im Dezember seinen Rücktritt angeboten. Kurz zuvor hatte die Erzdiözese Dublin ein Untersuchungsergebnis veröffentlicht, laut dem seit 1940 Dutzende von Kirchenoberen mithalfen, Fälle von Kindesmissbrauch durch mehr als 170 Priester zu unterdrücken.

Merkel macht sich keine Sorge um Rolle der Kirche
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel macht sich derweil keine Sorgen, dass die Kirche durch die gegenwärtige Diskussion über die Missbrauchsfälle als gesellschaftliche Institution unglaubwürdig werde. Die Kirche sei zu wirkungsvoll und in ihrer Geschichte zu mächtig, als dass man davor Angst zu haben brauche, sagte die Protestantin am Dienstagabend in Mülheim im Ruhrgebiet laut "Kathpress". Der Kirche müsse jedoch bewusst werden, dass ein Weg der Wahrheit  und Klarheit die einzige Möglichkeit sei, mit den Missbrauchsfällen umzugehen, so Merkel. Darin werde die Politik die Kirche etwa durch den Runden Tisch für Missbrauchsfälle begleiten. Die Kanzlerin äußerte sich bei einer Podiumsdiskussion auf der Festveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen der Katholischen Akademie in der Diözese Essen.

Der Rektor des Berliner Canisius-Kollegs, der Jesuitenpater Klaus Mertes, erwartet vom Runden Tisch eine gemeinsame Lösung bei einer möglichen Entschädigung von Missbrauchsopfern. Die Orden sollten dann zusammen mit den anderen kirchlichen und staatlichen Trägern von Bildungseinrichtungen zu einer bundesweit einheitlichen Klärung etwa über Pauschalbeträge kommen, sagte Mertes am Mittwoch in Berlin in einem Interview mit der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA. Der Runde Tisch gegen Kindesmissbrauch kommt am Freitag in Berlin zum ersten Mal zusammen.

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