Immobilien-Jäger:

Hauseigentümer werden von Anschreiben belästigt

„Wir fühlen uns belästigt“, sagte ein Ehepaar zur „Krone“, das in Linz ein Haus besitzt und anonym bleiben will. Nicht das erste Mal hatten sie einen genau adressierten Brief von einer Wiener Immobilienfirma im Postkasten. Darin heißt es: „Wir interessieren uns für Ihre Liegenschaft.“ Viele Eigentümer erhalten solche Schreiben. Wir fragten Anwalt Huber Niedermayr, ob das rechtens ist.

Jedes halbe Jahr bekommen Linzer Hauseigentümer ein persönlich adressiertes Schreiben eines Wiener Immobilienmaklers zugesandt. Darin steht u.a.: „Wir interessieren uns für Ihre Liegenschaft. (...) In einem persönlichen Kennenlerngespräch können wir Ihnen gerne einen Preis für Ihre Liegenschaft ermitteln.“ Die „Krone“ legt Anwalt Hubert Niedermayr (Steyr) das Originalschreibenvor und fragt: „Woher hat die Firma Kenntnis über mein Eigentum?“ Er stellt fest: „Aus dem Grundbuch, ein öffentliches Register, in das jeder Einsicht nehmen kann.“

Auskunfts- und Löschungspflicht
Allerdings sieht er nach der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) als problematisch an, wenn „allenfalls bestehende Informationen verknüpft werden, um gleichsam automatisiert Eigentümer anzuschreiben.“ Jeder kann aber nach der DSGVO von der Immobilienfirma Auskunft verlangen, wie sie die Daten verarbeitet. Eine verlangte Löschung der Daten muss befolgt werden!

Was ist von dem „Kennenlerngespräch“ zu halten?
„Man besorgt sich einen Überblick über den Grundbuchstand, nähert sich Eigentümern - das führte schon zu Rechtsverfahren“, sagt Niedermayr. Mögliche Kaufangebote sind daher mit großem Misstrauen zu behandeln, lieber unabhängige Schätzungen einholen!

Kommentar: Schnäppchenjäger klopfen an...
Der Immobilienmarkt ist überhitzt, die Preise werden hochgehalten, die Schnäppchenjäger klopfen an - oder schreiben nette Briefe, persönlich adressiert und mit dem Angebot des Kennenlernens. Wie schön! Besonders Damen, die Liegenschaften besitzen, sollen im Visier von Schnäppchenjägern stehen. Das erinnert an Heiratsschwindler. Da weiß man wie es geht: Man lernt sich kennen, gaukelt Vertrauen und womöglich Liebe vor, dann treten Probleme auf. Womöglich ein zu altes Haus, das sonst niemanden interessiert. Wenn es um Haus, Grund und Eigentum geht, ist höchstes Misstrauen angebracht!

Elisabeth Rathenböck, Kronen Zeitung

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