Leichen aufgebahrt

Polen nimmt Abschied von Präsidentenpaar

Ausland
13.04.2010 15:03
Die polnische Bevölkerung hat seit Dienstag die Möglichkeit, sich persönlich von ihrem tödlich verunglückten Präsidenten Lech Kaczynski zu verabschieden. Die sterblichen Überreste des Präsidenten und seiner Gattin Maria Kaczynska, deren Leiche am Vormittag nach Warschau überstellt worden ist, werden bis Samstag im Präsidentenpalast aufgebahrt. Nach einer Trauerfeier für alle 97 Opfer der Flugzeugkatastrophe sollen die beiden am Sonntag in einem Staatsbegräbnis in Krakau beigesetzt werden.

Der Leichnam Kaczynskis war bereits am Sonntag nach Polen überführt worden, am Dienstag wurde nun auch der Leichnam der Präsidentengattin Maria Kaczynska zurück in die Heimat gebracht. Der Sarg der First Lady wurde von einer Ehrengarde und Familienmitgliedern am Warschauer Flughafen in Empfang genommen. Als Erste kniete die 30-jährige Tochter des Präsidentenpaares vor dem Sarg nieder (im Bild rechts im Präsidentenpalast), gefolgt vom Bruder des Präsidenten, Jaroslaw Kaczynski. 

Große Menschenansammlungen in Warschau
Tausende Menschen säumten die Strecke vom Flughafen bis zur Innenstadt von Warschau (Bild li.), um der beliebten First Lady das letzte Geleit zu geben. Die 67-jährige Maria Kaczynska war in Polen unter anderem wegen ihres Engagements für Frauenrechte sehr beliebt. Ihre Leiche hatten die Ermittler erst am Montag anhand ihres Eherings identifizieren können.

Vor dem Präsidentenpalast hatten sich bereits seit dem Morgen tausende Menschen versammelt, um von dem Präsidentenpaar Abschied zu nehmen. Am Samstag soll in einer gemeinsamen Gedenkfeier aller 97 Opfer des Flugzeugabsturzes gedacht werden, für Sonntag ist dann das Staatsbegräbnis des Ehepaars Kaczynski geplant. Laut Berichten, wird es in der Kathedrale auf der Wawel, der ehemaligen Residenz der polnischen Könige in Krakau, beigesetzt.

Komorowski muss Wahltermin festlegen
Polens Interimspräsident Bronislaw Komorowski will am Mittwoch den Termin für die Neuwahl des Staatsoberhauptes bekanntgeben, bei der er schon vor der Katastrophe seine eigene Kandidatur angekündigt hatte. In Umfragen für den regulären Wahltermin im Oktober war Komorwski voran gelegen. Polnische Medien spekulieren indes über eine Kandidatur von Kaczynskis Bruder Jaroslaw.

Der Interimspräsident hat nach Kaczynkis Tod laut Verfassung zwei Wochen Zeit, einen neuen Termin festzulegen. Die Wahl muss dann innerhalb von 60 Tagen stattfinden. Der amtierende Präsident hatte bereits erklärt, den Termin so spät wie möglich anzusetzen. Der letzte mögliche Termin sei der 4. Juli, hieß es.

Katastrophe bringt Annäherung Russland - Polen
Polens Außenminister Radoslaw Sikorski sieht in der russischen Anteilnahme nach dem Flugzeugunglück eine Chance auf Annäherung zwischen seinem Land und Russland. "Der psychologische, emotionale Durchbruch ist bereits geschehen" sagte Sikorski der polnischen Zeitung "Gazeta Wyborcza". Ähnlich äußerte sich der frühere polnische Präsident Lech Walesa. "Ich hoffe von Herzen, dass diese Tragödie auf beiden Seiten zum Nachdenken führt und Vorbehalte abbauen hilft", sagte Walesa der deutschen "Bild".

Immer mehr Staaten rufen indes solidarisch Trauertage aus. Die Regierung in Tschechien hat für das Wochenende Staatstrauer ausgerufen, die serbische Regierung erklärte den Donnerstag zum Trauertag. Russland hatte bereits den gestrigen Montag in Staatstrauer begangen. In Polen wird eine Woche getrauert.

Hälfte der Opfer identifiziert
Kaczynski und seine Frau waren am Samstag bei einem Flugzeugabsturz gestorben. Sie waren zusammen mit Regierungsmitgliedern und anderen Funktionären auf dem Weg zu einer Gedenkfeier in Katyn, als die Maschine auf dem Flughafen von Smolensk in Westrussland abstürzte. Inzwischen ist nach Angaben der russischen Behörden fast die Hälfte der 96 Opfer identifiziert.

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