"Folter und Tortur"
Demjanjuk spricht bei Prozess von falscher Anklage
Trotz dreißigjähriger Verfolgung in Israel, den USA und in Polen sei er im 90. Lebensjahr nach Deutschland zwangsverschleppt worden. "Ich bin den Menschen dankbar, die mir in einer aussichtslosen Lage helfen, den von mir als Folter und Tortur empfundenen Prozess durchzustehen."
Deutschland sei schuld, dass er durch einen Vernichtungskrieg seine Heimat verloren habe, in Kriegsgefangenschaft geraten und zum Arbeitssklaven gemacht worden sei. Nur mit Gottes Hilfe habe er überlebt. Deutschland sei verantwortlich, "dass Abertausende zur Mitarbeit in perversen Massenvernichtungslagern durch Gewalt und Todesdrohung gezwungen wurden und Hunderte, die sich weigerten, getötet wurden". Ob Demjanjuk diese Aussage, die auf sogenannte Hilfswillige in den Vernichtungslagern anspielt, auch auf sich selbst bezog, blieb offen.
Wegen Beihilfe zum Mord in 27.900 Fällen angeklagt
Der gebürtige Ukrainer ist wegen seiner Tätigkeit als Wachmann im NS-Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen angeklagt. Er soll 1943 für ein halbes Jahr als kriegsgefangener Wächter in Sobibor gewesen und sich in der Zeit der Beihilfe zum Mord in 27.900 Fällen schuldig gemacht haben. Er bestreitet die Vorwürfe. Zu den wichtigsten Beweisstücken gegen ihn zählen ein Dienstausweis und Verlegungslisten, nach denen Demjanjuk im März 1943 nach Sobibor kam und im Oktober ins KZ Flossenbürg verlegt wurde. Die Anklage ist von der Echtheit der Dokumente überzeugt.
Demjanjuk steht seit November vor dem Landgericht München II. Er hatte jahrzehntelang in den USA gelebt und war nach einem langen Rechtsstreit im Mai vergangenen Jahres nach Deutschland gebracht worden.
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