Ein Jahr danach

L’Aquila gedenkt der Beben-Opfer mit Fackelzug

Ausland
06.04.2010 08:06
Ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben hat die italienische Stadt L'Aquila der Opfer der Katastrophe gedacht. Auf dem Domplatz der Abruzzen-Stadt versammelten sich am Dienstagmorgen um 3.32 Uhr - der Uhrzeit des Bebens, bei dem im Vorjahr 308 Menschen starben und mehr als 1.600 verletzt wurden - rund 25.000 Menschen mit Kerzen und Fackeln zu einer Schweigeminute. Dabei wurden die Namen der Todesopfer vorgelesen.

Das Erdbeben der Stärke 6,3 auf der Richterskala hatte am 6. April 2009 die Gegend in und um die mittelalterlichen Stadt in Mittelitalien zerstört. Zehntausende Menschen waren monatelang obdachlos. Viele sind auch heute noch in Notunterkünften, Pensionen und Militärkasernen untergebracht.

Mit Kerzen harrten viele Einwohner von L'Aquila mehrere Stunden auf der historischen "Piazza Duomo". Am Montagabend hatte sich der Stadtrat in einer Kirche zu einer Andacht versammelt. Auch Tausende von Bürgern nahmen am Abend an Fackelzügen teil.

Pfiffe für offizielle Vertreter
Die Reden der offiziellen Vertreter der Stadt wurden mehrfach durch Pfiffe unterbrochen, vor allem als eine Grußbotschaft von Ministerpräsident Silvio Berlusconi vorgelesen wurde. Beifall erntete dagegen ein Schreiben von Giorgio Napolitano, in dem der Staatspräsident "den beispiellosen Tatendrang und die Großzügigkeit" beim Wiederaufbau der Stadt lobte.

L'Aquilas Bürgermeister Massimo Cialente dankte "allen, die uns hier so tatkräftig unterstützt haben". Der Bürgermeister wurde aber auch scharf kritisiert. "Die Stadt ist noch immer wie erstarrt und ausgestorben", sagte eine Einwohnerin, die sich jüngst auch an den sonntäglichen Demonstrationen beteiligt hatte. Cialente selbst rief dazu auf, "nach vorn zu blicken", und bat die Regierung um eine "Solidaritätssteuer", um die Folgen des Erdbebens in den Griff zu bekommen.

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