Nach Mord an Farmer

Droht dem WM-Land nun das totale Chaos?

Ausland
04.04.2010 18:49
Zehn Wochen vor Beginn der Fußball-WM in Südafrika wächst die Sorge um die Sicherheitslage im Gastgeberland. Nach dem Mord an dem führenden Rechtsextremisten Eugene Terreblanche am Samstag werden nun gewalttätige Auseinandersetzungen und Rassenunruhen befürchtet. Die Anhänger von Terreblanche riefen bereits zu Vergeltung auf. Präsident Jacob Zuma versucht sein Möglichstes, um die Einwohner der "Regenbogen-Nation" zur Ruhe zu rufen.

Als die blutjungen Arbeiter den 69-jährigen Farmer und Rechtsradikalen mit einer Machete und einem Schlagstock grausam töteten (siehe Infobox), hatten sie sicher keine Vorstellung von dem politischen Beben, das sie auslösen würden. Der 15 Jahre junge Bursche und sein 21-jähriger Kollege beendeten offenbar ihren Streit mit Terreblanche über ihren Lohn so, wie viele Konflikte in diesem Land ausgetragen werden: mit Gewalt. Die Mordrate Südafrikas liegt um das 20- bis 30-Fache höher als in Westeuropa - Ähnliches gilt für andere Gewalttaten.

Der Mord reißt erneut alte und nie verheilte Wunden in der Gesellschaft auf, in der erst vor 16 Jahren die Apartheid abgeschafft wurde. Und er bedroht das Bild von einem friedlichen und versöhnten Südafrika - das gerade jetzt weltweit massiv um Touristen für das große Fußballfest im Juni und Juli buhlt.

Terreblanche-Anhänger rufen zu Vergeltung auf
In einer ersten Reaktion haben die Anhänger von Eugene Terreblanche bereits zu Vergeltung aufgerufen. Zunächst sollten sich die Mitglieder der Afrikaner Weerstandsbewegung (AWB) aber ruhig verhalten, sagte ihr Generalsekretär Andre Visagie am Sonntag. Am 1. Mai gebe es ein Treffen, bei dem ihre "Aktionen" abgestimmt werden sollen. 

Den Mord sehen die Rechtsextremen jedenfalls in direktem Zusammenhang mit einem Vorfall, der zuletzt in Südafrika für viel Wirbel gesorgt hatte. Der Vorsitzende der Jugendliga der Regierungspartei ANC, Julius Malema, hatte im März bei einer Studentenversammlung ein Lied angestimmt, das zur Tötung von Buren (die Nachkommen der ersten niederländischen Siedler in Südafrika, Anm.) aufruft. Obwohl das Stück bereits von zwei Gerichten verboten wurde, bestehen Teile des ANC und vor allem Julius Malema weiterhin auf ihre "traditionellen Kampflieder", weil sie darin ein Symbol der Widerstandsbewegung gegen das Apartheid-System sehen.

Die Rechtsextremisten machen allerdings derartige "Hasstiraden" direkt für Gewalttaten an Weißen verantwortlich. Der rechtsgerichtete Schriftsteller und Buren-Aktivist Dan Roodt beschuldigte den ANC, "ein Klima des Hasses gegen die Buren geschaffen zu haben". Die Ermordung von Eugene Terreblanche sei nur die letzte Tat in einer langen Reihe von Morden, Vergewaltigungen und Angriffen, bei denen Buren die Opfer waren.

Konflikt könnte zum Albtraum für die WM werden
Ein sich nun abzeichnender Konflikt zwischen weißen und schwarzen Bevölkerungsgruppen könnte zum endgültigen Albtraum für die Fußball-WM werden und diese mit dem Land ins Chaos stürzen. Ohnehin gibt es in den Slums der Städte seit Monaten immer wieder Aufruhr und gewalttätige Proteste wegen nicht beseitigter Müllberge, dem Ausbleiben versprochener Hilfen oder Mangel an sozialen Diensten. Unüberlegte Racheaktionen durch die Rechtsextremisten könnten dieses Pulverfass zur Explosion bringen...

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