Verwechslung

Deutsche Truppen töten 6 afghanische Soldaten

Ausland
03.04.2010 14:56
Nur wenige Stunden nach dem Tod von drei deutschen Soldaten im Norden Afghanistans haben Bundeswehrsoldaten aus Versehen mehrere afghanische Sicherheitskräfte erschossen. Nach Angaben des Einsatzführungskommandos in Potsdam starben dabei am Freitagabend in der Nähe von Kunduz sechs afghanische Soldaten.

"Die deutschen Soldaten eröffneten das Feuer auf ein Fahrzeug der afghanischen Armee und töteten sechs Soldaten", sagte Gouverneur Mohammad Omar. Nach Angaben der Bundeswehr bewegten sich zwei zivile Kraftfahrzeuge am Freitagabend (Ortszeit) in der Nähe von Kunduz auf eine Gruppe von Bundeswehrsoldaten zu. Die Afghanen hielten demnach nicht an, um sich überprüfen zu lassen. Daraufhin eröffnete ein deutscher Schützenpanzer das Feuer auf eines der Fahrzeuge. Ein Sprecher der Bundeswehr sagte, man bedauere den Vorfall zutiefst. Das Geschehen werde überprüft.

Der neue Zwischenfall ereignete sich nach Angaben der Bundeswehr, als am Freitagabend deutsche Soldaten das Feldlager in Kunduz verließen, um die vorher im Gefecht eingesetzten Kräfte abzulösen. Auf dem Weg dahin fuhren die beiden zivilen Autos auf die Bundeswehr zu und hielten auch nach allen "von deutscher Seite durchgeführten Sicherheits- und Identifizierungsverfahren" nicht an. Später stellte sich heraus, dass es sich um zivile Fahrzeuge der afghanischen Armee gehandelt habe.

Drei Bundeswehrsoldaten bei Gefecht am Freitag getötet
Zuvor waren bei einem Gefecht mit radikal-islamischen Taliban am Freitag drei deutsche Soldaten getötet worden (siehe Infobox). Es war das folgenschwerste Gefecht für die Bundeswehr seit ihrem Bestehen. Dabei waren auch acht Soldaten verletzt worden, vier von ihnen schwer. Mit Bestürzung und Betroffenheit hatten Regierung und Opposition auf den Tod der Soldaten reagiert. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den "hinterhältigen Angriff" scharf. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erklärte, angesichts von Gefechten dieses Ausmaßes werde deutlich, wie gefährlich der notwendige Einsatz in Afghanistan sei.

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