22.05.2019 17:00 |

Spart bares Geld

Peugeot 508 SW: So cool kann vernünftig sein

Beau la la! Ist das wirklich noch ein Kombi? Oder geht der als Skulptur durch? Jedenfalls ist der Peugeot 508 SW optisch noch spezieller als sein Limousinen-Kollege. Wir haben einen der ersten Testwagen bekommen, direkt aus Frankreich - und dennoch mit einem gerade für Österreich höchst interessanten Motor: Mit dem BlueHDI 160 EAT8 kommt man auf 1,5 statt 2 Prozent Sachbezug, ohne auf etwas verzichten zu müssen.

Säbelzahn-Tagfahrlicht, eine getönte Heckleuchtenblende, durch die dreidimensionale Peugeot-Löwenkrallen rot herausleuchten (auch tagsüber), dazu die für einen Kombi untypischen rahmenlosen Seitenscheiben. Und in dem Silber wirkt er beinahe, als wäre er aus dem Vollen gefräst. Die Linien spannen sich über das Fahrzeug und bündeln sich im Heck, als würde der Fahrtwind den Peugeot sogar im Stand umströmen.

Klar, mit seiner extrem schnittigen Kontur ist der Franzose nicht auf Lademeister gebürstet, wie es der sechs Zentimeter höhere, fünf Zentimeter längere und deutlich kastiger geformte Vernunft-Vorgänger war. Und doch ist er nicht nur für repräsentative, sondern auch für Transportaufgaben besser geeignet, als man erwarten würde. Mit flacher Ladekante und vom Kofferraum aus umklappbaren Rücksitzlehnen, die eine fast ebene Ladefläche und 1780 Liter -volumen ermöglichen, ist er richtig praktisch. Bei aufgestellten Lehnen immerhin 530 Liter bis zum Abdeckrollo. Dieses kann man zum Beladen nach schräg oben schieben - wo man es dann in der Regel vergisst, bis es im Rückspiegel auftaucht.

In Reihe zwei hat man zwar genug Kopffreiheit (sogar vier Zentimeter mehr als in der Limousine), weil man recht tief sitzt, aber die Sitzhaltung erinnert leicht an eine Strafbank, die Knie ragen bei groß Gewachsenen weit nach oben.

Besser vorn sitzen
Die besten Plätze sind vorn, einerseits wegen der Sitze mit AGR-Gütesiegel (Aktion Gesunder Rücken), andrerseits wegen des optisch gelungenen Armaturenbretts. Die Bedienungsfreundlichkeit wurde jedoch der Optik geopfert. So sind die Tasten je nach Lichteinfall oft schlecht bis nicht ablesbar, zur Regulierung der Klimaanlage muss man jedes Mal ins Menü eintauchen, dafür gibt es eine eigene Taste fürs Ambiente. Oh, ihr Franzosen!

Ungewöhnlich, aber gut ablesbar (auch wenn viele Kollegen darüber schimpfen) ist das Kombiinstrument, das über dem doppelt abgeflachten Lenkrad thront und dadurch ein Head-up-Display ersetzen soll. Da gewöhnt man sich schnell dran, wenn man will.

Viele Assistenzsysteme
Das digitale Tachodisplay ist auch tatsächlich sehenswert. Per Knopf am Lenkrad kann man zwischen mehreren Ansichten wählen, optional steht auch ein Nachtsichtmodus zur Verfügung, der Fußgänger, Radfahrer, aber auch Tiere am Straßenrand zeigt und markiert.

Andere Assistenten funktionieren weniger gut. Der Lenkassistent orientiert sich gefährlich nah am Rand der Spur, außerdem warnt er nicht, wenn er sich abschaltet - es wechselt nur die Farbe des Lenkradsymbols von Grün zu Grau. Der aktive Spurhalteassistent greift auch mal ins Lenkrad, wenn zwei Spuren zusammenlaufen und schickt den Fahrer Richtung Leitplanke, während der Tempolimitassistent zu den unzuverlässigsten gehört. Auch die Parksensoren haben uns das Leben etwas anstrengend gemacht: Fährt man in die Waschanlage und hat den Piepser nicht schon vorher ausgeschaltet, muss man mit Dauerlärm leben, bis man durch ist.

Unwürdig für ein Auto dieser Klasse ist die Rückfahrkamera, bzw. das im Testwagen eingebaute 360-Grad-Kamera-System. Meine erste Handykamera zeigte wahrscheinlich ein schärferes Bild.

Abschalten, reisen, wohlfühlen
Schaltet man den nach dem Start immer aktiven Spurhalteassistenten ab, ist der Peugeot 508 SW ausgesprochen angenehm zu fahren. Auch bei hohem Tempo bleibt es trotz der rahmenlosen Seitenscheiben relativ ruhig im Innenraum. Zwar ist das Fahrwerk trotz Mehrlenkerachse und Adaptivdämpfern hinten nicht gerade sophisticated abgestimmt und holpert gerne mal über unebenen Straßenbelag drüber, trotzdem steigt man am Ziel entspannt aus, nachdem man von der Autobahn abgefahren ist. Für kurvige Landstraßentouren würden wir uns ein bisschen Nacharbeit an der Lenkung wünschen. Sie ist kein Ausbund an Gefühlsechtheit, aber wenn man sich bemüht, kann man Kurven auch ohne Korrektur durchziehen

Der Motor: So stark wie sein stärkerer Bruder
Der 160 PS starke Zweiliter-Diesel namens BlueHDI 160 EAT8 hält sich akustisch zurück, legt sich aber ansonsten mächtig ins Zeug und lässt vermuten, dass man den nächststärkeren Motor unter der Haube hat. Kein Wunder, das maximale Drehmoment von 400 Nm bei 2000/min. ist das gleiche wie beim 20 PS stärkeren BlueHDI 180, der lediglich eine um 5 km/h höhere Höchstgeschwindigkeit (230 km/h) sowie einen um eine Zehntel besseren Wert für den Sprint auf Tempo 100 (8,4 Sekunden) aufweist (gilt auch für den stehenden Kilometer: 29,3 zu 29,4 s). Großer Vorteil des HDI 160: nur 119 g/km CO2 (4,5 l/100 km), jedenfalls mit 16- oder 17-Zoll-Felgen, und dadurch der eingangs erwähnte Bonus beim Sachbezug. Mit Felgen der Größe 18 oder 19 Zoll liegt der CO2-Wert bei 122 g/km (4,6 l/100 km), beim stärkeren Diesel jeweils bei 124 g/km. Im Durchschnitt genehmigte sich der Testwagen 7,3 l/100 km.

Die Achtgang-Automatik arbeitet flink; nur wenn man an Einmündung heranrollt und gleich wieder Gas gibt, dauert es oft ewig, bis sie den richtigen Gang findet. Top: Im Eco-Modus beherrscht sie das antriebslose Segeln mit abgeschaltetem Motor. Auch das Stopp-Start-System arbeitet tadellos. Kleine Besonderheit am Rande: Peugeot nennt die Einrichtung tatsächlich Stop&Start, nicht - wie die anderen Hersteller, Start-Stopp. Und es ist die einzig logische Reihenfolge, weil der Motor an der Ampel ja zuerst gestoppt, dann wieder gestartet wird.

Die Preisliste beginnt für den Peugeot 508 SW bei 35.750 Euro für den handgeschalteten 130-PS-Diesel, was einen Aufpreis zur Limousine von 1600 Euro bedeutet. Der Testwagen in der Ausstattung GT Line plus Extras wie Adaptivdämpfung, Nachtsicht oder auch „Drive Assist Plus Paket“ kommt auf gut 53.000 Euro.

Unterm Strich
Der Peugeot 508 SW ist ein Gewinn für den Automarkt, es gibt schon genug Autos, die nicht sonderlich aufregend sind. SUVs sowieso. Nein, der Wagen ist nicht perfekt, die Rückfahrkamera ist sogar richtig schlecht, aber ich habe mich damit auf jedem Kilometer wohlgefühlt. Und nach dem Aussteigen, beim Zurückblicken, erst recht.

Warum?
Sehr kräftiger Motor mit dienstwagenfreundlichem Verbrauch
Optisch extrem gelungen
Und praktisch ist er auch

Warum nicht?
Schwächen vor allem bei den Assistenzsystemen

Oder vielleicht …
… Mercedes CLA Shooting Brake, Kia Proceed

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