Atemlose Spannung:

Bernhard-Kunststück als lustvolle Schwerarbeit

Burgtheater-Legende Hermann Beil (78) sorgte mit seiner Thomas Bernhard-Lesung in den Linzer Kammerspielen für einen grandiosen Abend. Die schlichte Dramaturgie: Ein Mann in schwarzem Anzug stellt ein Notenpult auf die Bühne, darauf ein Stoß Zettel. Das genügt für neunzig Minuten atemlose Spannung!

Claus Peymann musste seine in Linz geplanten Lesungen krankheitsbedingt absagen. An seiner Stelle trat am Sonntag Hermann Beil auf, langjähriger Wegbegleiter Peymanns und Bernhard-Kenner.

Bachs Goldbergvariationen werden angespielt und der Mann auf der Bühne beginnt eine unglaubliche Sprachperformance, die für eineinhalb Stunden absolute Konzentration beim Publikum sorgt. Beil blätterte den Text „Der Untergeher“ auf, in dem Bernhard den Klaviervirtuosen Glenn Gould, einen gewissen Wertheimer und einen Ich-Erzähler in einen teils fiktiven, teils biografischen Erinnerungstext verstrickt, der einer Musikkomposition nachempfunden ist. Variationen spielen eine wichtige Rolle.

Schwerarbeit
Hermann Beil wirkte bei seiner eineinhalbstündigen Lesung völlig unangestrengt - obwohl er zweifellos Schwerarbeit leistete. Er trifft wie kaum ein Anderer den typischen Bernhard Sound, die lustvolle Mischung aus böser Ironie, Überlegenheitsgefühl, Menschenekel und Sehnsucht nach dessen Überwindung. Ihm gelang ein enormes Sprechkunststück, für das er sich zurecht heftigen Beifall abholte! Da kann man nur noch den Hut ziehen!

Elisabeth Rathenböck/KronenZeitung

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