Do, 23. Mai 2019
17.04.2019 11:36

Welt ohne Knöpfe

So stellt sich Huawei die 5G- und KI-Zukunft vor

Eine Welt ohne Knöpfe und Tasten, in der Hände, Augen und letztlich auch der menschliche Geist frei für wichtigere Dinge sind - so stellt sich Huawei die Zukunft vor. Ermöglichen sollen dies der neue Mobilfunkstandard 5G und künstliche Intelligenz, wie der chinesische Handyhersteller und Netzwerkausrüster auf seinem Global Analyst Summit in seiner Heimatstadt Shenzhen erläutert.

Geht es nach Huawei-Vorstand Ken Hu, dann werden wir in Zukunft nicht mehr im Internet nach Informationen suchen, die Inhalte werden stattdessen zu uns kommen, abgestimmt auf unsere ganz persönlichen Vorlieben. Hu bezeichnet diese Vision, die eine tastenfreie Interaktion ermöglichen soll, als „ZeroSearch“. Die Verknüpfung der realen mit der virtuellen bzw. erweiterten Realität (Augmented Reality) soll dem Menschen dagegen zu einer „Super Sight“, also einer Super-Sicht verhelfen, sei es bei der Inspektion von Tunneln auf mögliche Schwachstellen oder der Diagnose bei Augenkrankheiten, wie Hu als Beispiele anführt.

5G-Vernetzung als Fundament für intelligente Welt
Das Fundament dieser intelligenten, smarten Welt sei die Vernetzung mit 5G. Der neue Mobilfunkstandard sei nicht einfach nur ein schnelleres 4G, sondern eine „Revolution“. Durch die hohen Bandbreiten und die geringen Latenzen, die der Standard ermögliche, könnten Anwendungen, die jetzt noch lokal etwa auf dem Smartphone ausgeführt würden, in die Cloud wandern. Diese Auslagerung der Rechenkapazitäten ermögliche wiederum die Gestaltung ganz neuer Geräte.

Virtual Reality aus der Cloud
Als Beispiel führt Hu das Thema Virtual Reality an. Aktuelle Headsets für die virtuelle Realität seien teuer und schwer - mittels 5G könnten diese Barrieren jedoch durchbrochen und wesentlich günstigere und komfortablere Brillen entwickelt werden. Wie das funktioniert, demonstrierte der Hersteller krone.at in seinem eigenen CloudVR-Lab. Das Prinzip hinter CloudVR ähnelt jenem von Musik- oder Videostreamingdiensten wie Spotify oder Netflix: Die Inhalte werden nicht mehr zu Hause auf dem eigenen Rechner verarbeitet, sondern landen als Stream beim Verbraucher, der dafür statt kostspieliger Hardware mit entsprechend leistungsstarker Grafikkarte nebst einem einfachen Headset nur noch eine schnelle Internetverbindung benötigt.

Filme, 360-Grad-Konzerte, hochauflösende Games, aber auch Bildungsangebote für Schulen und Unternehmen möchte Huawei so binnen der nächsten zwei Jahre ans - zunächst wohl nur chinesische - Volk bringen. Headset, Inhalte und die nötige Mobilfunkverbindung soll es als Gesamtpaket im Abo für wenige hundert Dollar im Jahr geben.

„Schneller als erwartet“
Dass es so kommen wird, davon ist Huawei überzeugt. 5G sei viel schneller als erwartet gekommen, führt Huawei-Vorstand Hu aus. Habe es bei 3G noch zehn Jahre benötigt, um die ersten 500 Millionen Nutzer zu erreichen, soll dieser Meilenstein bei 5G, so die Prognose, binnen drei Jahren erreicht sein. Bis 2025 sollen bereits 2,8 Milliarden Menschen den neuen Mobilfunkstandard nutzen.

Mit ein Grund für das schnelle Wachstum: Gab es im ersten Jahr von 4G noch kein einziges Chipset und kein Smartphone, das den Standard unterstützte, so seien es bei 5G bereits vier Chipsets und über 40 Smartphones.

„Killer-App“ Mate X
Huawei selbst möchte als „Killer-App“, wie es Hu nennt, mit seinem faltbaren Smartphone Mate X im Mai in den Markt für 5G-Smartphones einsteigen, ein weiteres 5G-Gerät soll gegen Ende des Jahres folgen, wie der Hersteller auf seinem Summit in Shenzhen ankündigte.

KI-Beschleuniger
Der Datenturbo 5G soll schließlich auch der künstlichen Intelligenz auf breiter Front zum Durchbruch verhelfen. Sei es in der Fertigung oder Logistik, im Gesundheits- oder Transportwesen - eben überall da, wo große Datenmengen anfallen, die schnell automatisiert verarbeitet werden müssen. Profitieren sollen davon am Ende auch die Verbraucher, wie Hu mit Verweis auf ein entsprechendes Projekt in Shenzhen erläutert. Dank intelligenter Ampelsteuerung, die sich dynamisch an das Verkehrsaufkommen anpasst, habe die Zeit, die Autofahrer dort im Stau verbrächten, um 17 Prozent reduziert werden können, so Hu.

Zu viele Geräte und Apps
Der Huawei-Vorstand räumt allerdings auch ein, dass auf dem Weg zur total vernetzten Welt noch einige Hürden zu nehmen seien. 50 Prozent der Weltbevölkerung haben demnach nach wie vor keinen Zugang zum Internet, es fehlt weiten Teilen der Bevölkerung an grundlegenden digitalen Skills. Hinzu kommt laut Hu, dass das „digitale Erlebnis“ nach wie vor zu wünschen übriglässt - es gebe schlichtweg noch zu viele verschiedene Geräte und Anwendungen für unterschiedliche Aufgaben.

„Vertrauen ist kritisch“
Vor allem aber brauche es das Vertrauen der Nutzer in die neuen Technologien, verweist Hu auf die aktuelle Debatte um Sicherheitsbedenken gegen sein Unternehmen. Cybersicherheit sei ein technisches, kein politisches Problem, warnt er mit Blick auf die USA vor einer Politisierung des Themas, die drohe, die Welt zu fragmentieren und die technologische Entwicklung zu verlangsamen.

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle

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