10.04.2019 08:00 |

Alarmierende Zahlen

Arbeit als Krankmacher: Immer mehr Betroffene

Sei es nun körperlich oder psychisch, zu viel Arbeit kann krank machen. Der Österreichische Gewerkschaftsbund ist durch die steigende Zahl der vielfältigen arbeitsbedingten Erkrankungen alarmiert. An die Bundesregierung ergeht die klare Aufforderung zum Handeln. Konkrete Maßnahmen wurden vorgelegt.

„Arbeit darf nicht krank machen!“, fordert Philip Wohlgemut, Tirols Landesvorsitzender des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB). Die Zahl der arbeitsbedingten Krankheiten steige und jährlich ende eine solche für 1820 Österreicher tödlich.

Wie Arbeit krank macht
Die meisten dieser Krankheiten können Berufsfeldern zugeordnet werden. So treten Muskel- und Skeletterkrankungen meist im Bau und in der Pflege auf. Sie entstehen durch schwere körperliche Arbeit, speziell durch Heben und Tragen. Atemwegserkrankungen hingegen sind auf Arbeit mit gefährlichen Stoffen zurückzuführen: Friseure, Lackierer, Tischler sowie Bäcker sind besonders betroffen.

Stress und Leistungsdruck
Die häufigste Ursache für Invaliditätspensionen sind psychische Erkrankungen. „Wenn Menschen unter Stress oder Leistungsdruck stehen, kann das auch zu Erkrankungen des Verdauungsapparats führen“, erklärt Benjamin Praxmarer, Tirols ÖGB-Landessekretär. Zu den häufigsten Vorkommnissen zählen zudem Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Hautkrankheiten.

Harte Kritikpunkte
Der ÖGB kritisiert in diesem Zusammenhang besonders die neue Bundesregierung. „In den letzten 14 Monaten wurden keine gesundheitsfördernden Maßnahmen ergriffen – eher im Gegenteil“, so Wohlgemut. Im Visier stehen vor allem der 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche. „In punkto Arbeitszeit liegen wir im EU-Vergleich bereits im Spitzenfeld“, argumentiert Praxmarer. In Tirol werden laut ÖGB rund 4 Millionen Überstunden weder entlohnt, noch durch Zeitausgleich vergütet. Zudem wünscht man sich Verstärkung für das Tiroler Arbeitsinspektorat. Auf nur einen Inspektor kämen rund 13.400 Beschäftigte.

Klare Forderungen
Nicht mehr, sondern weniger Arbeitszeit sei das Erfolgsrezept, so Praxmarer: „Erfahrungen mit der 4-Tage-Woche zeigen: Die Mitarbeiter sind produktiver, gesünder und kreativer.“ Eine sechste Urlaubswoche, welche zur Zeit nur nach 25 Jahren im selben Betrieb zusteht, soll allen langjährigen Berufstätigenzustehen. „Niemand darf benachteiligt werden, nur weil er in ein anderes Unternehmen wechselt“, begründet Wohlgemut. Neben weiteren arbeitszeitrechtlichen Änderungen fordert der ÖGB auch zahlreiche Vorbeugungs- und Schutzmaßnahmen, wie etwa altersgerechtes Arbeiten oder eine verpflichtende betriebliche Gesundheitsförderung.

Anna Haselwanter
Anna Haselwanter
Mirjana Mihajlovic
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