Mi, 24. April 2019
05.04.2019 10:00

Rund 20 neue Meldungen

Fall Martinsbühel: „Es wühlt die Menschen auf“

Mit einem Artikel über das Kinderheim Martinsbühel in Zirl wurde im vergangenen Jahr ein Feuer entfacht. Seither lodern die Flammen immer wieder auf, Medien berichten über die unglaublichen Verhältnisse, die im kirchlichen Heim herrschten. In der Konsequenz klingelt bei Psychologin Ulrike Paul das Telefon. Am anderen Ende der Leitung sind Menschen, die Fragen haben.

Rund 20 Betroffene oder deren Angehörige haben sich bei Ulrike Paul, die schon seit vielen Jahren mit ehemaligen Heimkindern arbeitet, in den vergangenen Wochen gemeldet. „Es wühlt die Menschen auf und es entstehen unglaublich viele Fragen“, schildert die Therapeutin. Gerade Angehörige von Menschen mit kognitiven oder geistigen Beeinträchtigungen seien auf Spurensuche: „In Martinsbühel waren Mädchen mit Behinderung, sie konnten oder können sich nicht alle selbst artikulieren – die Angehörigen wollen wissen, was ihnen zugestoßen ist.“

Kommission arbeitet bereits an Aufklärung
Aber ist es überhaupt möglich herauszufinden, welche Schicksale die Kinder von Martinsbühel ereilt haben? Das Land Tirol ist an einer vollständigen Aufklärung interessiert und hat, wie berichtet, eine unabhängige Kommission eingerichtet. Dort gehe es vor allem um die Frage der Zuständigkeit und Verantwortung – wer hat die Kinder damals, warum, wohin verwiesen. Um das zu klären, ist die Kommission auf die Zusammenarbeit mit den Benediktinerinnen angewiesen – daran werde aktuell gearbeitet.

Zwei Anlaufstellen für Opfer und Angehörige
Weil die Dokumentation über die Heimkinder früher natürlich ganz anders verlief als heute, werde es aber selbst mit Akteneinsicht schwierig , eine hundertprozentige Aufklärung aller Fälle zu erreichen, schildert Gotthard Bertsch, Leiter der Ombudsstelle der Diözese Innsbruck. Natürlich sei man aber darum bemüht, alles bestmöglich aufzuarbeiten. Für die Opfer gibt es zwei Anlaufstellen, an die sie sich mit allen Fragen und Anliegen wenden können:

  1. Das Land Tirol hat eine Anlaufstelle für Opferschutz eingerichtet: „Ich höre in erster Linie zu und vermittle die Menschen bei Bedarf weiter“, schildert die Verantwortliche Barbara Winner auf „Krone“-Nachfrage. Auch bei Fragen rund um Organisatorisches sei man bei Winner an der richtigen Adresse. 0512/5082700
  2. Bei der Diözese Innsbruck gibt es eine Ombudsstelle: „Wir sind für die Opfer da“, betont Bertsch. „Wir sind nicht weisungsgebunden, sondern Psychotherapeuten, die auch als solche agieren. Betroffene können sich sicher sein, dass wir in ihrem Sinne handeln“, erklärt der Psychologe. Das beginne beim Zuhören und gehe bis zu Hilfe bei Entschädigungszahlen und dergleichen. Wird der Anruf bei der Ombudsstelle nicht entgegen genommen, kann eine Nachricht hinterlassen werden: „Ich rufe immer innerhalb von 24 Stunden zurück“, verdeutlicht Bertsch.  0676/87302700

Aus Glutnestern entstehen neue Brände
Will man mit der Kommission in Kontakt treten, funktioniere das über den Opferschutz des Landes. Von dort werden alle Anfragen an die Leiterin der Kommission, Margret Aull, weitergeleitet. Auch sie betonte noch einmal, dass man an der Zusammenarbeit mit Betroffenen und Angehörigen sehr interessiert sei. Es bleibt nun also zu hoffen, dass die offenen Fragen bald bestmöglich beantwortet werden. Denn eines sei sicher: Das Feuer rund um den Martinsbühel lässt sich nun nicht mehr so leicht austreten.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter

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