Ölpest auf dem Po

Behörden glauben an Sabotage durch “Öko-Terroristen”

Ausland
27.02.2010 12:22
Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Vier Tage nach dem Sabotageakt in einer Raffinerie bei Monza geht der Kampf gegen das ausgelaufene Öl auf dem längsten italienischen Fluss, dem Po, weiter. Ein 50 Kilometer langer und 15 Zentimeter dicker Ölteppich floss unweit der Stadt Parma in Richtung Delta des Flusses und hinterließ bis zu zwölf Stunden lang einen üblen Gestank.

Das Mündungsgebiet ist eines der bedeutendsten Feuchtgebiete Europas. Allen Sperren zum Trotz hatte der Ölschlamm bis Samstag bereits 250 Kilometer zurückgelegt.

Behörden verdächtigen "Öko-Terroristen"
Der Präsident der Region Lombardei, Roberto Formigoni, meinte, die Ölpest sei das Werk von "Öko-Terroristen". Er appellierte an die Behörden, die Verantwortlichen schnell ausfindig zu machen. Es handle sich um einen Anschlag auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen. Formigoni forderte beispielhafte Strafen.

Die Gemeinden entlang des Flusses haben verboten, Wasser aus dem Po zur Bewässerung der Felder zu entnehmen. Keine Probleme gibt es für das Trinkwasser. "Ich denke, in den nächsten 24 Stunden werden wir einen Großteil des Ölteppichs aufgefangen haben", sagte Zivilschutzchef Guido Bertolaso nach Medienangaben vom Samstag. Auch im weiter westlich gelegenen Veneto rüsteten sich die Behörden gegen die Ölpest. Um die schwarze Masse zu stoppen, gingen zwei Schiffe im Po quer zur Strömung vor Anker.

Ermittlungen gegen die Raffinerie
600.000 Liter Diesel- und Heizöl waren am Dienstag aus drei Raffinerietanks nahe der lombardischen Stadt Monza in den Lambro, einen Nebenfluss des Po, gelangt. Der Schaden dürfte sich auf mehrere Millionen Euro belaufen. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen eingeleitet. Angenommen wird unter anderem, dass die Täter auf diese Weise ein Projekt verhindern wollten, das eine Grünzone in der dicht bebauten Region nahe der Stadt Monza vorsieht. Die Ermittlungen richten sich auch gegen die Ölgesellschaft "Lombarda Petroli", die die Raffinerie-Tanks besitzt. Die Staatsanwälte vermuten, dass Fachleute hinter dieser Katastrophe stecken.

Bereits Hunderte Tiere verendet
Tierschützer aus ganz Italien sind im Dauereinsatz, um die an den Ufern des Gewässers lebenden Vögel zu retten. Ölverschmierten Reihern, Kormoranen, Enten und Möwen droht nämlich ein qualvoller Tod. Tausende Vögel wurden bereits behandelt, um ihre Augen, Schnäbel und Flügel von dem Öl zu befreien. Der französische Vogelschutzverband LPO stellte dafür mobile Einheiten zur Verfügung. Hunderte Tiere seien bereits verendet.

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