Wut auf Fiskus

Mann rast mit Kleinflugzeug in US-Steuerbehörde

Ausland
19.02.2010 09:49
In der texanischen Hauptstadt Austin ist am Donnerstag ein Mann offenbar in selbstmörderischer Absicht mit seinem Kleinflugzeug in ein Gebäude der US-Steuerbehörde IRS (Internal Revenue Service) geflogen. Die Maschine ging in einem Feuerball auf, der Pilot und ein Büroangestellter kamen ums Leben. Zuvor hatte der Lebensmüde sein Haus angezündet und einen Abschiedsbrief im Internet hinterlassen, in dem er die Regierung kritisierte, vor allem aber die Steuerbehörden: Gewalt sei im Umgang mit ihnen "die einzige Antwort".

Ermittler identifizierten den Piloten als den Programmierer Joseph Stack. Auf einer Internetseite erklärte er in einer sechsseitigen Botschaft, der Amok-Flug solle andere Menschen zum Kampf gegen "aufgeblasene Polit-Ganoven" aufrütteln. Seine Wut richtete sich auch gegen zahlreiche andere Personen und Institutionen, darunter seine Frau und die Kirche.

Eigenes Haus in Brand gesetzt
Nach Polizeiangaben hatte Stack am Vormittag sein eigenes Haus angezündet und war dann zum Flughafen gefahren, um sein Kleinflugzeug vom Typ Piper Cherokee PA-28 zu holen. Gegen 11.35 Uhr steuerte er die Maschine auf das siebenstöckige IRS-Gebäude zu, in dem rund 200 Menschen arbeiten. Bei der Luftverkehrsbehörde FAS war der Flug nach Angaben eines Sprechers nicht gemeldet.

Gesamtes Gebäude erschüttert
"Es sah aus, als ob das Flugzeug direkt in mein Fenster fliegt", sagte der Finanzbeamte William Winnie. Kurz vor dem Einschlag habe die Maschine dann abgedreht und sei in ein unteres Stockwerk gerast. Nach dem Aufprall schlugen Flammen aus dem Haus. Das ganze Gebäude sei durch die Explosion erschüttert worden, berichteten Augenzeugen. Manche hätten zuerst an ein Erdbeben gedacht.

Zwei Tote, 13 Verletzte
Nach dem Unglück stieg dunkler Rauch aus dem Haus, Dutzende von Fensterscheiben waren zerstört. Den Berichten zufolge wurde bis zum Nachmittag (Ortszeit) ein Büromitarbeiter getötet, mindestens 13 Personen wurden verletzt. Viele Menschen entkamen den Flammen über Leitern, die der vorbeifahrende Lastwagen einer Glaserei zur Verfügung stellte. Die Feuerwehr befand sich im Großeinsatz. Sie sprach von einem starken Brand, der sich durch das explodierende Flugbenzin entzündet habe.

Regierung sieht keinen Terrorakt
Es gebe "derzeit keinen Grund, eine Verbindung zu terroristischen Aktivitäten zu vermuten", sagte ein Sprecher des Ministeriums für Heimatschutz, Matthew Chandler. Trotzdem aktivierte das Pentagon zwei Kampfflieger, um den Luftraum über der Unglücksstelle abzusichern. Der Polizeichef von Austin, Art Acevedo, beruhigte die Bevölkerung. Es gebe "keinen Grund zur Sorge." US-Präsident Barack Obama wurde von einem Sicherheitsberater über den Vorfall unterrichtet.

Absturz mit drei Toten in Kalifornien
Erst am Mittwoch waren beim Absturz eines Kleinflugzeugs in einem Wohnviertel im nordkalifornischen Palo Alto der Pilot und die zwei Passagiere ums Leben gekommen (siehe Story in der Infobox).

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