"Hinterlistig"

Taliban benützen Frauen und Kinder als Schutzschilde

Ausland
17.02.2010 11:08
Der "minimale Widerstand", über den die Streitkräfte zu Beginn der NATO-Offensive "Mushtarak" in Afghanistan berichteten, ist vorbei. Die Taliban greifen offenbar auf bewährte Taktiken zurück und benützen Menschen als Schutzschilde. Die Kämpfer feuern dabei aus Wohnhäusern auf die ISAF-Einheiten, an den Fenstern und auf den Dächern postieren sie Frauen und Kinder, um die Soldaten so am Zurückschießen zu hindern. Der Tod von zwölf Zivilisten bei einem NATO-Raketenangriff am Sonntag sei ebenfalls auf diese Schutzschild-Taktik zurückzuführen, heißt es.

"Besonders im Süden von Marjah kämpft der Feind von Gebäuden, auf denen Soldaten sehr deutlich Frauen oder Kinder auf dem Dach oder an einem Fenster im zweiten oder dritten Stock sehen", berichtet der afghanische General Mohiyiden Ghori am Mittwoch in Marjah. "Die Aufständischen sind taktisch versiert, haben Widerstandsfähigkeit und sind hinterlistig", heißt es im Lagebericht der internationalen NATO-Schutztruppe ISAF. Die Operation "Mushtarak" ("Gemeinsam") bleibe aber "auf dem richtigen Weg".

NATO-Rakete doch nicht fehlgeleitet
Die NATO-Soldaten töteten seit Beginn der Operation versehentlich mindestens 15 Zivilisten in der Provinz Helmand. Jene Rakete, bei deren Einschlag zwölf Zivilisten, darunter sechs Kinder, getötet wurden, war laut NATO aber nicht wie bisher angenommen fehlgeleitet. Das Geschoss habe das als Ziel ausgewählte Haus getroffen, sagte der NATO-Kommandant im südlichen Afghanistan, der britische Generalmajor Nick Carter. Es sei davon auszugehen, dass bei dem Angriff auch Aufständische getötet worden seien. Die NATO hatte nach dem Angriff am Sonntag in Marjah zunächst erklärt, die Rakete habe ihr Ziel um mehr als 300 Meter verfehlt. 

Fünf weitere Zivilisten starben indes bei einem Luftschlag in der an Helmand angrenzenden Provinz Kandahar. Bei dem Angriff soll gleichzeitig mehr als ein Dutzend Taliban getötet worden sein.

Größte Offensive seit Invasion im Jahre 2001
Die US-afghanische Offensive in der südafghanischen Provinz Helmand ist die größte seit der amerikanischen Invasion und dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001. 15.000 afghanische und ausländische Soldaten gehen gegen die Aufständischen in Helmand vor. Die größten Kontingente stellen Amerikaner und Briten. Das Kampfgebiet erstreckt sich auf die Distrikte Marjah und Nad Ali. 

Seit Beginn der Offensive am vorigen Samstag wurden mindestens vier Soldaten getötet, darunter ein Brite und ein Amerikaner. Die ISAF meldete am Mittwoch, zwei weitere ihrer Soldaten seien am Vortag bei der Offensive getötet worden. Zur Nationalität der jüngsten Opfer machte die Schutztruppe wie üblich keine Angaben.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
17.02.2010 11:08
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung