04.02.2019 06:30 |

Mediziner zur Lage

Eine Krankheit namens Hausarzt-Mangel

Der Kufsteiner Mediziner Franz Größwang sprach bei einem Lokalaugenschein der „Tiroler Krone“ über die wirtschaftliche und medizinische Situation von Tirols Hausärzten.

Die Reputation des Hausarztes in der Öffentlichkeit ist in den letzten Jahren gegenüber der des Facharztes mit all seinen Möglichkeiten und den technisch hochstehenden Ambulanzen der Krankenhäuser etwas in das Hintertreffen geraten. Diese veränderte Einstellung färbt natürlich auf junge Ärzte ab.  Ihre berufliche Tendenz führt sie dahin, sich als Facharzt niederzulassen, oder eine Fixstelle in einem Krankenhaus anzustreben. Wenn dies nicht gelingt, dann ist ihnen eine Wahlarztpraxis lieber als eine Kassenpraxis, da in dieser die Auflagen geringer sind und man freiberufliche Tätigkeiten ausüben kann. Auch die wirtschaftliche Belastung hält mittlerweile viele junge Ärzte vor dem Schritt zum Allgemeinpraktiker ab. 800 bis 1000 Krankenscheine werden pro Quartal benötigt, um allein die Fixkosten zu decken.

Ein Hausarzt leistet Hochfrequenzmedizin
Um zu verdienen, muss der Hausarzt schon ein starkes Patientenaufkommen haben. Das könne man mit dem Begriff „Hochfrequenzmedizin“ titulieren, weiß der Kufsteiner Allgemeinmediziner Franz Größwang mitzuteilen. Er selbst benötige, um wirtschaftlich auf der sicheren Seite sein zu können, an die 100 bis 120 Patienten pro Tag.  Die immer stärker werdenden bürokratischen Anforderungen an seinen Berufsstand seien zudem täglich fordernd. Größwang sieht auch keine große Zukunft in der Zusammenarbeit mit den Primärversorgungszentren (PHC), die vom Gesetzgeber in bestimmter Anzahl in den Bundesländern vorgesehen sind: „Ich glaube nicht, dass diese PHC wirklich aus den Startlöchern kommen. Ich nehme an, dass man aus dem bestehenden System die Zusammenarbeit der praktischen Ärzte verbessern muss, wobei es schon Ansätze gibt.“ (siehe dazu Daten & Fakten)

Drei Kufsteiner Allgemeinmediziner gehen in Pension
Als Franz Größwang mit seiner Hausarztpraxis 1985 in Kufstein begann, hatte die Stadt acht praktische Ärzte für 15.000 Einwohner. Aktuell leben rund 21.000 Menschen in der Festungsstadt, bei sieben Hausärzten. In den nächsten drei Jahren verabschieden sich - mit Franz Größwang - zwei weitere Allgemeinmediziner in den Ruhestand. Die Nachfolge ist derzeit kaum geregelt und in Schwebe. Damit sieht die mögliche Zukunft der medizinischen Grundversorgung in Tirols zweitgrößter Stadt in etwa so aus, dass schon in sehr naher Zukunft die Ambulanzen des Bezirkskrankenhauses mit Patienten überschwemmt werden.

Hubert Berger, Claudia Thurner

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