Dresden "nazifrei"
Tausende Menschen verhindern Neonazi-Aufmarsch
Die Demonstranten, darunter Regierungschef Tillich und mehrere Landesminister, Oberbürgermeisterin Helma Orosz und Politiker aller Parteien sowie Gewerkschafts- und Kirchenvertreter reichten sich für etwa eine Stunde die Hände zu einem schützenden Ring um die Altstadt. Damit stellten sie sich denen entgegen, die die Erinnerung an die Bombardierung durch britische und amerikanische Kampfflieger für ihre Zwecke missbrauchen und die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg leugnen oder abschwächen.
Dresden habe den angereisten Neonazis klar die Stirn geboten, sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich. Bei der Zerstörung der Elbestadt vor 65 Jahren waren bis zu 25.000 Menschen ums Leben gekommen. Die Alliierten warfen insgesamt mehr als 3.700 Tonnen Bomben ab. Das Flammeninferno vernichtete rund 25.000 Häuser und 90.000 Wohnungen.
"Eine Frage demokratischer Selbstachtung"
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles lobte den Widerstand gegen den Neonazi-Aufmarsch als großen Erfolg. "Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit stellen die demokratischen Prinzipien unseres Staates infrage, ihre Bekämpfung ist damit eine Frage demokratischer Selbstachtung, erklärte sie am Samstag in Berlin. Der Linken-Vize Klaus Ernst bezeichnete den friedlichen Protest gegen Neonazis als ein "Mut machendes Zeichen".
Aufmarsch von rund 6.400 Neonazis verhindert
Tausende Anhänger des linken Bündnisses "Nazifrei! Dresden stellt sich quer" hatten durch Sitzblockaden um den Neustädter Bahnhof bereits die Anreise der meisten Neonazis zum Treffpunkt verzögert. Aus Sicherheitsgründen durfte sich der Neonazi-Aufmarsch zunächst nicht in Bewegung setzen, dann schlug die Polizei eine verkürzte Route vor. Als die Zeit für die bis 17.00 Uhr genehmigte Demonstration abgelaufen war, gaben die rechten Veranstalter ihr Vorhaben auf. In Dresden hatten sich nach Polizeiangaben insgesamt etwa 6.400 Neonazis versammelt.
Das Gebiet um den Bahnhof war seit dem frühen Morgen von mehreren Hundertschaften der Polizei weiträumig abgesperrt worden. Kurzzeitig errichteten die linken Demonstranten auch Barrikaden auf den Gleisen zwischen den beiden großen Bahnhöfen Dresdens, die Sperren wurden von der Bundespolizei beseitigt. Über der Innenstadt kreisten mehrere Polizeihubschrauber. An Kreuzungen und Plätzen standen Polizei- und Mannschaftswagen bereit, zeitweise wurden Straßen gesperrt.
29 Personen in Gewahrsam genommen
Dennoch kam es wieder zu vereinzelten Auseinandersetzungen. Insgesamt wurden 27 Menschen verletzt, darunter 15 Polizisten. 29 Personen kamen in polizeilichen Gewahrsam. Die Betroffenen im Alter zwischen 16 und 36 müssten sich laut Polizei unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruch, Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz sowie des Waffengesetzes verantworten.
Tausende Polizisten aus ganz Deutschland im Einsatz
"Fast alle Veranstaltungen und Versammlungen in Dresden trugen dem Anlass des Tages gebührend Rechnung. Weit mehr als 10.000 Menschen gedachten in der Dresdner Innenstadt still der Toten. Allerdings blieb es nicht überall friedlich", sagte Polizeipräsident Dieter Hanitsch. "Die Lage war zum Teil sehr unübersichtlich und hat uns viel Kraft gekostet." Fast 5.700 Polizisten aus ganz Deutschland waren an dem Einsatz beteiligt.
Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 






Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.