28 Personen im Visier
Korruptionsaffäre in Italien zieht weitere Kreise
Die Staatsanwälte vernahmen den Bauunternehmer Diego Anemone, der Bertolaso angeblich Prostituierte zugeführt haben soll, um Vorteile bei der Bauvergabe zu bekommen. Vernommen wurden auch der am Mittwoch verhaftete Präsident von Italiens oberstem Rat für öffentliche Bauaufträge, Angelo Balducci, und der Staatsfunktionär Mauro Della Giovampaola. Der Verdacht gegen sie kam auf, als die Staatsanwälte in Florenz wegen lokaler Korruption ermittelten und dazu viele Telefonate abhören ließen. Ein betroffener Bauunternehmer sprach dabei auch über La Maddalena.
Bertolaso selbst nahm bisher zu den Vorwürfen nicht Stellung, versprach aber, mit der Justiz zusammenarbeiten zu wollen. "Ich vertraue in unsere Justiz", sagte er. Solidarisch mit Bertolaso zeigte sich auch Staatssekretär Gianni Letta. "Bertolaso ist eine außerordentliche Person, die unser Vertrauen nicht verraten hat", versicherte er bei einer Preisverleihung in L'Aquila. Der Zivilschutzchef habe nach dem Erdbeben im April sehr viel für L'Aquila geleistet, das dürfe niemand vergessen.
Unterdessen gerät das immer beliebtere System unter italienischen Politikern, eilige Bauvorhaben und Veranstaltungsvorbereitungen nicht mehr auf dem normalen Wege zu planen, in die Diskussion. Um Bauprojekte in L'Aquila zügiger durchzusetzen, hatte Berlusconi Bertolaso mit Sondervollmachten ausgestattet.
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