20. Jahrestag

Südafrika feierte Freilassung von Nelson Mandela

Ausland
11.02.2010 20:59
Südafrika hat am Donnerstag den 20. Jahrestag der Freilassung seines Nationalhelden Nelson Mandela gefeiert. Mittelpunkt der Festivitäten war ein symbolischer Marsch aus dem Gefängnis Drakenstein bei Kapstadt. Mandelas 1990 weltweit mit großer Aufmerksamkeit verfolgte Entlassung nach 27 Jahren Haft hatte das Ende des rassistischen Apartheid-Systems eingeläutet. Der Friedensnobelpreisträger wurde 1994 bei der ersten demokratischen Wahl in Südafrika zum Präsidenten gewählt.

Weitere Feierlichkeiten und Militärparaden sowie eine Rede von Südafrikas Präsident Jacob Zuma vor dem Parlament galten ebenfalls dem 91-Jährigen. Als Mandela lächelnd und leicht gebeugt durch eine Hintertür die Empore des Parlaments in Kapstadt betrat, brandete Jubel auf, alle Abgeordneten erhoben sich. Ihn leibhaftig zu sehen, ist auch Südafrikas Parlamentariern nur noch selten vergönnt -Mandela lebt völlig zurückgezogen in Johannesburg.

Bei der feierlichen Eröffnung der Sitzung sagte Mandela öffentlich kein Wort - und dennoch war seine Anwesenheit wieder einmal die unausgesprochene Mahnung zu Einheit und Versöhnung in dieser noch immer wenig harmonischen Gesellschaft. Mandela war Ehrengast an einem Festtag einer modernen, funktionierenden Demokratie. Keine Normalität in Afrika, keine Selbstverständlichkeit in einem Land, in dem noch vor 16 Jahren Schwarze und Farbige Menschen zweiter Klasse waren, eine zutiefst zerrissene Gesellschaft am Rande des Bürgerkriegs stand.

Mandelas Magie ungebrochen
In seiner "Rede zur Lage der Nation" konnte Präsident Jacob Zuma sein Land preisen als ein politisch stabiles, wirtschaftlich blühendes Land. Zuma durfte stolz darauf verweisen, dass Südafrika in Kürze Gastgeber der Welt sein werde bei der Fußball-WM, "die wir auch zu Ehren Mandelas zu einem großen Erfolg machen werden". Der weißhaarige Greis verfolgte fast ohne Reaktionen die Rede des Präsidenten. Dennoch spürten alle: Die Magie des großes nationalen Versöhners, des Siegers über die Apartheid ist ungebrochen.

Wer wüsste das besser als Zuma? Der 67-jährige hatte seine Ansprache extra auf den Abend dieses historischen Datums gelegt. Möglichst viele Millionen Südafrikaner sollten miterleben, wie er sich an diesem symbolträchtigen Tag und in Anwesenheit des Nationalhelden als dessen legitimer Erbe präsentiert, als der neue Hoffnungsträger der noch immer jungen, gerade einmal 16 Jahre alten Demokratie. Er sei "den Idealen Mandelas" verpflichtet, versicherte Zuma. Er war sich bewusst, dass nichts beruhigender auf Südafrikaner wirkt als der Respekt vor Mandela.

Nach wie vor ein Land voller Probleme
Allerdings gibt es mehr Grund zur Sorge als früher. Südafrika befindet sich erstmals seit Ende der Apartheid in wirtschaftlich schwierigen Zeiten - nach 17 Jahre fast ungebrochenen Wachstums ist die Schere zwischen Arm und Reich nicht kleiner geworden, verdunkeln Massenarmut und erschreckend stark verbreitete Gewaltkriminalität alle kühnen Visionen für ein Südafrika, das so gerne auch Modell für andere Staaten des Kontinents sein möchte.

Zuma hatte gehofft, mit seiner Rede in Mandelas Anwesenheit bei den Wählern punkten zu können. Persönliche Skandalgeschichten machten ihm allerdings einen Strich durch die Rechnung. Der bereits mit drei Frauen verheiratete Präsident hat mit seinen außerehelichen Affären und der jüngst bekanntgewordenen Geburt eines unehelichen Kindes, seines 20. Sprosses, eine heftige Debatte über Moral und Vorbildfunktion des Staatschefs provoziert. Schließlich propagiert Zumas Regierung "sicheren Sex" im Kampf gegen Aids, während der Präsident aus dem Stamme der Zulu selbst offensichtlich diese Vorgaben missachtete.

"Ein großer Mann, Vater der Nation"
Mit Mandela saß nun das Gewissen der Nation auf der Empore, Ikone und Symbolgestalt des modernen Südafrikas. Mit Mandela können sich alle identifizieren, er ist "ein großer Mann, ein großer Führer, Vater der Nation", so ANC-Schatzmeister Mathews Phosa. "Wir ehren seine Vision eines einigen, versöhnten, starken Südafrika". Kaum ein Oppositionspolitiker würde dem widersprechen. Allerdings fürchten viele den Tag, an dem Mandela, der von zahlreichen Südafrikanern wie ein Gott verehrt wird, das Zeitliche segnet. "Nelson Mandela, es gibt keinen Zweiten wie Dich", sangen die Abgeordneten an diesem Freitag denn auch voller Inbrunst.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
11.02.2010 20:59
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung