Mi, 16. Jänner 2019

AMS korrigiert sich:

07.01.2019 08:09

Migranten sind weniger gebildet als behauptet

Vor drei Jahren, im Jänner 2016, sorgte eine Erhebung des Arbeitsmarktservice zum Bildungsstand der anerkannten Flüchtlinge für hitzige Debatten. Damals hieß es, die Zuwanderer seien wesentlich besser ausgebildet als erwartet. Neue Daten zeigen allerdings nun ein anderes Bild. Denn während damals nur eine Stichprobe mit 898 Flüchtlingen gemacht worden war, wurden nun sämtliche 32.348 Migranten befragt, die sich in der Betreuung des AMS befinden. Und diese sind bei Weitem nicht so gut ausgebildet, wie man ursprünglich angenommen hatte.

Das AMS betreute im Dezember 2018 32.348 anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzbedürftige, knapp 60 Prozent davon leben in Wien. Was die Nationalitäten der Flüchtlinge angeht, so bilden die Syrer die größte Gruppe, gefolgt von Personen aus Afghanistan, Russland, dem Irak und dem Iran. Auf diese fünf Nationen entfallen in Summe 27.990 Personen, der Rest stammt aus anderen Ländern. Knapp zehn Prozent dieser 27.990 Personen haben eine akademische Ausbildung, 67,8 Prozent sind dagegen schlecht ausgebildet, berichtet die „Presse“ am Montag.

87,2 Prozent der Afghanen nur mit Pflichtschulabschluss
Besonders auffällig ist das niedrige Bildungsniveau der Afghanen. 87,2 Prozent verfügen hier lediglich über einen Pflichtschulabschluss. Doch auch viele Syrer sind bei Weitem nicht so gut ausgebildet, wie die Stichprobe aus dem Jahr 2016 vermuten ließ. Hier haben 59,7 Prozent der vom AMS betreuten Personen nur einen Pflichtschulabschluss, der Akademikeranteil liegt bei 12,6 Prozent.

Bei den Irakern war man 2016 noch von einem Akademikeranteil von 40 Prozent ausgegangen - allerdings hatte das AMS damals nur 40 aus dem Irak stammende Personen befragt. Die aktuellen Ergebnisse der derzeit 2112 betreuten Iraker ergeben dagegen einen Akademikeranteil von 16,8 Prozent. Die Iraner schneiden beim Akademikeranteil mit 20,8 Prozent noch am besten ab.

„Keine Dokumente vorhanden“
Die „Krone“ berichtete bereits im Jänner 2016 nach einem Gespräch mit AMS-Beratern über dieses Problem. Auf die Frage nach gut ausgebildeten Flüchtlingen folgte eine ernüchternde Antwort: „Wir hatten da drei“, so das Resümee der Ausbilder, die im Rahmen eines AMS-Kompetenzchecks 170 afghanische Männer betreut haben. „Da sind Teppichknüpfer, Teehändler oder Goldschmiede, das ist nicht gefragt“, erklärte Ernst Traindt, Bereichsleiter Berufsbildung im Ausbildungszentrum BPI, damals. „Von diesen 170 betreuten Flüchtlingen gehörten drei zu jenen gut gebildeten, von denen man aus Medien hört“, so Fachtrainerin Julia Kemp. „Viele geben an, Fliesenleger oder Maler zu sein. Nachweisen kann man nichts, da keine Dokumente vorhanden sind.“

Im November 2016 hatte das AMS die anfängliche Euphorie erstmals gedämpft, nachdem eine detailiertere Erhebung gezeigt hatte, dass 6000 der vorgemerkten Flüchtlinge erst Alphabet und Sprache lernen mussten. Zuvor hatten teure Blitzkurse, die Zuwanderern einen beschleunigten Schulabschluss bringten sollten, für Aufregung gesorgt. Auch das Wirtschaftsforschungsinstitut stellte den Migranten bildungstechnisch ein schlechtes Zeugnis aus.

AMS-Berater beklagen Probleme mit Migranten
Dazu kommt noch ein weiterer Punkt, den AMS-Mitarbeiter in einem internen Bericht im März 2018 beklagten. So gebe es gravierende Probleme bei der Betreuung von Arbeitslosen mit nicht deutscher Muttersprache - insbesondere die Zusammenarbeit mit Tschetschenen und Afghanen gestalte sich schwierig. Laut einem internen Revisionsbericht würden mangelnde Deutschkenntnisse und religiöse sowie kulturelle Gründe ein Integrationshindernis darstellen. AMS-Chef Johannes Kopf wollte davon jedoch nichts wissen - es sei lediglich von Einzelbeobachtungen seiner Angestellten die Rede gewesen, hieß es damals.

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