"Krone": So sieht also ein Monster aus – zumindest wenn man Ihren Kritikern glaubt, die Sie wegen inhumanen Umganges mit Flüchtlingen heftigst angreifen.
Gernot Steiner: Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Seit 20 Jahren bin ich Ansprechpartner für Flüchtlinge, kümmere mich um sie und helfe, wo ich kann und wo es der Rechtsstaat auch zulässt.
"Krone": Die Staatsanwaltschaft ermittelt aber gegen Sie.
Steiner: Das tut sie immer wieder. Bei meinem Job gibt’s öfters Anzeigen – egal, was man macht, man macht es halt keinem recht.
"Krone": Es geht auch um einen Toten – Gefährdung, heißt es.
Steiner: Wegen des Brandes im Asylantenheim, wo ein Mann aus dem Fenster gehüpft ist. Tragisch. Aber ich kann nichts dafür. Der Betreiber haftet schließlich auch für den Brandschutz – da ist der Vertrag, wo das steht. Da sehe ich einem Prozess gelassen entgegen.
"Krone": Sie sind Träger des Menschenrechtspreises.
Steiner: Das war früher, als wir es vorwiegend mit den Flüchtlingen aus Ex-Jugoslawien zu tun hatten. Da gab es keine Probleme. Da haben wir noch gemeinsam Ausflüge gemacht, gefeiert. Das war auch menschlich gesehen ganz anders.
"Krone": Und heute?
Steiner: Heute nimmt die Kriminalität zu. Und ich schaue nicht zu, wie Nigerianer an unsere Kinder Drogen verkaufen und Tschetschenen Mädchen vergewaltigen. Wer kriminell ist, sollte keinen Platz bei uns haben.
"Krone": Ist es denn so schlimm?
Steiner: Nein. Die große Masse der Asylwerber ist völlig okay. Das sind nette, anständige Leute, Familien, die dankbar sind für Unterstützung. Aber so 50, 60 Menschen machen uns pro Jahr ganz schön viel Ärger.
"Krone": Und bringen das Asylsystem generell in Verruf.
Steiner: Leider. Weil verallgemeinert wird. Das darf man aber nicht tun.
"Krone": Tun Sie’s nicht auch, wenn Sie etwa ganze Familien nach Traiskirchen retour schicken, ohne zu wissen, wer straffällig wurde?
Steiner: Die Silvesteraktion 2007. Damals war es der politische Wille, die Tschetschenen los zu werden. Es gab Verdachtsmomente, dass es sich um Schläger handelt, die einen Kärntner schwer verletzt haben.
"Krone": Vor Gericht hat sich das nicht bestätigt.
Steiner: Ja. Doch Landeshauptmann Haider hatte den Wunsch, rasch zu handeln. Der Druck der Öffentlichkeit war groß. Was hätten Sie getan? Das Gastrecht wurde schon zu oft missbraucht. In erster Linie bin ich Kärntner und der Heimat verpflichtet.
"Krone": Viele Ihrer Schützlinge haben keine Heimat mehr.
Steiner: Darum ist es unser Job, ihnen eine neue zu geben oder ihnen zu helfen, sich in ihrer alten zurechtzufinden. Ich fahre jedes Jahr nach Bosnien, um dort Wiederaufbauprojekte zu betreuen. Ich war in Ruanda, habe Kinder aus Beslan geholt – glauben Sie mir, ich kenne mich mit der Flüchtlingssituation aus.
"Krone": Als Kenner: Braucht Österreich ein drittes Erstaufnahmezentrum?
Steiner: Nein, wirklich nicht! Wozu? In Traiskirchen waren schon 1.800 Menschen, jetzt 600. Wo bitte sieht die Ministerin da den Bedarf?
von Kerstin Wassermann, "Kärntner Krone"
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