WEF in Davos
Sarkozy für Reform des globalen Finanzsystems
Ein neues Bretton-Woods-Abkommen sei nötig, forderte der französische Staatschef. Sarkozy, dessen Ausführungen von einem Teil des Publikums stehend applaudiert wurden, kritisierte das Währungsdumping und sprach von einer Krise der Globalisierung. Diese sei ins Schleudern geraten in einem Moment, wo der Markt immer vorbehalt- und grenzenlos Recht habe und die Ungleichgewichte zur Triebkraft geworden seien.
Nicht der Kapitalismus sei dabei in die Krise geraten, sondern der reine Finanzkapitalismus als Abart davon. Sarkozy kritisierte zugleich die Banken, die über den Börsenspekulationen ihre hauptsächliche Aufgabe in der Volkswirtschaft vernachlässigt hätten, nämlich die Vergabe von Krediten und die Bewertung der Risiken. "Lassen Sie sich nicht in eine Karikatur der Marktwirtschaft hineindrängen, das würden die Gegner nur allzu gerne tun", rief Sarkozy abschließend der WEF-Gemeinde entgegen.
Die Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard forderte zuvor in ihrem Grußwort Politik und Wirtschaft auf, nicht zu den Praktiken vor der Krise zurückzukehren. Eine Regulierung des Finanzsystems sei unbedingt nötig. Sie appellierte dabei insbesondere an die Bankiers, ihre Verantwortung wahrzunehmen und Strategien für nachhaltiges Wachstum zu unterstützen.
WEF-Gründer warnt vor Generationenkrise
Eine Rückkehr zum alten System sei nicht möglich, betonte auch WEF-Gründer Klaus Schwab zum Auftakt. Nach der Finanzkrise 2009 ortete er im laufenden Jahr die gesellschaftliche Krise. Diese könne leicht zur Generationenkrise werden, wenn die echte Problemlösung weiter aufgeschoben werde.
Die Jubiläumsveranstaltung in Davos steht unter dem Motto: "Den Zustand der Welt verbessern: überdenken, umgestalten, erneuern". Schon vor der offiziellen Eröffnung ging es um die Risiken einer ungleichgewichtigen Erholung der Weltwirtschaft, die von dem Boom in China angetrieben und der Arbeitslosigkeit in vielen Industrieländern gebremst wird.
"China allein kann nicht der einzige Motor des globalen Wirtschaftswachstums sein", warnte Nouriel Roubini, Finanzwissenschaftsprofessor an der Universität New York, der wegen der Vorhersage der aktuellen Krise bekannt wurde. In der ersten Jahreshälfte werden nach seinen Worten noch die Folgen der staatlichen Stimulierungshilfen zu spüren sein. "In der zweiten Jahreshälfte wird man einen Niedergang in den USA, Europa und Japan sehen."
Umfrage: Mehrheit der Konzernchefs optimistisch
Vier von fünf Unternehmenschefs weltweit gehen optimistisch in das Jahr 2010, wie eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers unter 1.198 Konzernchefs in 52 Ländern ergab. 31 Prozent der Befragten beurteilen die Geschäftsentwicklung in diesem Jahr sogar als "sehr optimistisch". Die Zuversicht sei in aufstrebenden Ländern wie China, Indien und Brasilien aber weitaus ausgeprägter als in den Industrieländern.
Den gewohnten Kontrapunkt zum Auftakt des fünftägigen WEF setzten am Mittwoch die Globalisierungsgegner mit der Verleihung der Public Eye Awards. Die Preise für besonders menschen- und umweltverachtende Unternehmen gingen an den Basler Pharmakonzern Roche und die Royal Bank of Canada.
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