An Irak geliefert

Firma verkaufte völlig nutzlose Bombendetektoren

Ausland
23.01.2010 19:14
In Großbritannien sorgt derzeit ein perfider Fall von Betrug für Aufsehen, der auch im Irak Entsetzen ausgelöst hat: Eine britische Firma hat mehr als 1.500 völlig nutzlose Sprengstoffdetektoren an das kriegsgebeutelte Land verkauft - und damit nicht nur Millionen verdient, sondern auch das Leben Hunderter Menschen aufs Spiel gesetzt. Und obwohl London den Vertrieb des Gerätes ADE651 inzwischen verboten hat, befürwortet die Regierung in Bagdad weiter dessen Einsatz.

Der Sender BBC hat den Skandal am Freitag enthüllt. Die Reporter ließen die Detektoren (im Bild funktionierende Geräte eines anderen Herstellers), die an Hunderten irakischen Kontrollpunkten eingesetzt werden, in einem Labor in Cambridge untersuchen.

Hilfreich wie eine "Wünschelrute"
Der schockierende Befund: Der eingebaute Sensor war nichts anderes als eine Diebstahlsicherung, wie sie in Kaufhäusern eingesetzt wird. Für die Suche nach tödlichen Sprengfallen sei das Gerät, das laut Beschreibung des Herstellers schon aus der Entfernung bei Sprengstoff anschlägt, so hilfreich wie eine "Wünschelrute", sagte ein BBC-Sprecher.

"Tests haben gezeigt, dass die Technologie nicht für das Aufspüren von Bomben geeignet ist", erklärte auch die zuständige Behörde. Der Verkauf des Gerätes an den Irak sowie an Afghanistan wurde untersagt, um das Leben britischer Soldaten nicht zu riskieren.

Bis zu 60.000 Dollar teures Gerät
Eine Lizenz benötigte die Firma ATSC für den Handel mit den bis zu 60.000 Dollar teuren Detektoren nicht, da es sich nicht um militärisches Gerät handelt. Deswegen wurde die Technologie auch zuvor nie von Experten auf ihre Tauglichkeit untersucht. Erste Bedenken wurden allerdings schon im November bekannt. Damals hatte die "New York Times" berichtet, die US-Streitkräfte bezweifelten den Nutzen der Geräte.

Die britische Nachrichtenagentur PA meldete am Samstag, der Chef von ATSC sei festgenommen und gegen Kaution wieder freigelassen worden. Er stehe unter dem Verdacht des Betrugs durch Falschdarstellung.

Regierung in Bagdad besteht auf Einsatz
Doch trotz der festgestellten Untauglichkeit bleiben die Geräte im Irak zunächst im Einsatz. Denn laut dem irakischen Innenminister Jawad al-Bolani hätten sie angeblich "dazu beigetragen, mehr als 16.000 Sprengsätze aufzuspüren". Außerdem sollen mehr als 733 Autobomben damit entdeckt worden sein.

Es gebe einen scharfen Wettbewerb auf dem Markt derartiger Sicherheitstechnologie, und die Firmen würden versuchen, die Produkte der Konkurrenten als nutzlos darzustellen, erklärte Bolani. Die Effizienz von ADE651, das aus einer an einem Griff befestigten Ausziehantenne besteht, hänge nämlich davon ab, wie gut die Nutzer damit umgehen könnten. 

Iraker entsetzt: "Offenbar ein Spielzeug"
Irakische Familien reagierten entsetzt auf den Skandal und das Verhalten ihrer Regierung. Das Gerät sei "offenbar ein Spielzeug", sagte Haider Mohammed, der bei jüngsten Anschlägen Angehörige verloren hat. "Wenn das Gerät nicht funktioniert, warum hat die Regierung es dann gekauft? Sind die Leben der Iraker so wenig wert?"

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