"Hürdenlauf-Champ"
Papst-Umarmerin hat bereits einen Internet-Fanclub
Nach dem Angriff auf den Papst fand sich im Online-Netzwerk Facebook rasch eine Fan-Gemeinde der 25-Jährigen, die Benedikt XVI. zu Beginn der Christmette zu Fall gebracht hat, als sie ihn nach eigenen Angaben umarmen wollte.
Bereits am ersten Tag trugen sich rund 500 Internet-Nutzer in den Fanclub ein. Darin wurde der Frau ironisch der Titel einer "Olympia-Siegerin im Hürdenlauf" verliehen, weil sie die Absperrungen überwunden hatte, um sich dem Kirchenoberhaupt zu nähern. Auch private Filmmitschnitte des Angriffs, bei dem der 82-jährige Papst stürzte, aber keine Verletzungen erlitt, wurden online gestellt.
Papst durch Bodyguards zu Boden befördert?
Einige Poster stellen in den Raum, ob der Papst vielleicht nur deshalb zu Boden ging, weil sich Sicherheitsleute auf Susanna M. stürzten. Auf den Videoaufnahmen sehe es so aus, als würde die 25-Jährige auf den Papst zugehen wollen und dann erst durch die Bodyguards samt Papst in die Gegenrichtung zu Boden gerissen.
Auch wie der französische Kurienkardinal Roger Etchegaray zu Sturz kommen konnte, wird online debattiert. Schließlich ging der Geistliche mehrere Meter hinter dem Papst. Der 87-Jährige brach sich aber den Oberschenkel. Fleißig wird spekuliert, ob nicht am Ende gar ein Sicherheitsmann den Kardinal umgelaufen haben könnte...
Italiener ziehen Parallelen zu Berlusconi-Attacke
Die Fan-Gemeinde stellt auch Parallelen zu der Gewaltattacke auf den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi her, der am 13. Dezember in Mailand mit einer kleinen Nachbildung der dortigen Kathedrale im Gesicht verletzt worden war. Nach diesem Angriff war ebenfalls auf Facebook zu lesen, der Täter sei ein "moderner Held".
Unter italienischen Politikern setzte dabei gar eine Debatte ein, ob derartige Beiträge im Internet unterbunden werden sollten. Der Minister für das Regierungsprogramm, Gianfranco Rotondi, sprach von "Dummheiten", die verurteilt und "gestoppt" werden müssten. Ein Senator aus Berlusconis Partei vertrat die Ansicht, ein Online-Netzwerk dürfe nicht dazu dienen, "Gewalt zu verherrlichen".
Vatikan wird wahrscheinlich Milde walten lassen
Susanna M., die Papst Benedikt XVI. schon bei der Christmette 2008 umarmen wollte, aber damals am Sicherheitspersonal scheiterte, steht seit dem Zwischenfall am Heiligen Abend unter ärztlicher Aufsicht in einer Nervenklinik. Wie schon bei der Sicherheits-Übertretung vor einem Jahr werden der jungen Frau wohl auch diesmal keine ernsthaften rechtlichen Konsequenzen drohen. Vatikan-Sprecher Frederico Lombardo sagte bereits damals, die vatikanische Justiz sei "ausgesprochen gnädig".
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