Verweis angedroht
Chavez legt sich mit ausländischen Autobauern an
"Wir müssen sie zwingen. Und wenn sie es nicht tun, dann werden wir andere Unternehmen einladen. Die Chinesen wollen kommen und bauen diese Autos", sagte Chavez (im Bild in seinem "Wahlkampf-Käfer") bei einer Ansprache. Er werde auch nicht zögern, Autobauer aus anderen Ländern - z.B. GM oder Fiat - des Landes zu verweisen, "wenn sie ihre Technologien nicht mit der einheimischen Bevölkerung teilen wollen". Bei Toyota, GM und Fiat habe er deshalb Unternehmensüberprüfungen angeordnet.
Der linke Präsident hat in seiner zehnjährigen Amtszeit bereits große Teile der Wirtschaft verstaatlicht und dabei auch ausländische Unternehmen enteignet. Am Mittwoch startete er ein staatliches Autoverkaufs-Programm, bei dem die Regierung aus Argentinien importierte VW-Modelle unter dem Preis der meist in ausländischer Hand befindlichen Vertriebshändler anbietet.
Auf Toyota wurde Chavez aufmerksam, nachdem sich ein Transportunternehmer über einen Mangel an geländetauglichen Fahrzeugen für Fahrten in die ärmeren Gebiete und Slums beklagt hatte. Toyota müsse ein solches Modell bauen, und die Regierung werde dazu Quoten einführen. "Wenn sie diese nicht erfüllen, werden wir sie bestrafen", kündigte Chavez an.
Rezession und Automangel in Venezuela
Die Wirtschaftskrise macht der Autoindustrie in Venezuela derzeit schwer zu schaffen. Die Verkaufszahlen sind im November im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent auf 10.075 Modelle gefallen. Nicht zuletzt geht dies aber auch auf eine niedrigere Produktion zurück, die teils durch wochenlange Arbeiter-Streiks und Gewerkschaftsblockaden verursacht wurde. Außerdem hält die Regierung die Autobauer mit Schranken beim Import bei der Stange.
In den ländlichen Regionen Venezuelas gibt es kaum ausgebaute Straßen. Eine motorisierte Fortbewegung ist dort vielerorts nur mit Allrad-Fahrzeugen möglich, die im Vergleich zu städtischen Kleinwagen aber oft empfindlich teurer sind. Kleine Transportunternehmen, die Kunden und Güter in die Gegenden bringen, stellen den öffentlichen Verkehr dieser Regionen dar. Die Allrad-Pkws werden oft mit Aufbauten zu Minibussen umgemodelt.
Autobauer: Regierung billigte Produktionsstopp
Laut der Nachrichtenagentur Reuters geht es Chavez um das Toyota-Modell "Landcruiser 70", das bis 2007 auch in Venezuela zusammengebaut wurde. Die Chavez-Regierung habe damals den Produktionsstopp gebilligt, heißt es aus Toyota-Kreisen. Der Konzern wollte das 4x4-Modell fortan importieren, bekam aber von den Behörden bis heute keine Einfuhrgenehmigung. Eine offizielle Reaktion von Toyota gibt es noch nicht. Man prüfe derzeit die Intentionen Chavez', die dieser mit seinen Forderungen verfolge, hieß es.
Politischer Gegner ist Toyota-Händler
Chavez ist heuer schon einmal indirekt mit Toyota aneinandergeraten. Im Juni 2009 wurden gegen den Vorstand des Chavez-kritischen Fernsehsenders Globovision, Guillermo Zuloaga, Ermittlungen eingeleitet. Die Polizei hatte zuvor 24 Toyota-Limousinen auf dem Anwesen des Unternehmers beschlagnahmt. Zuloaga besitzt Anteile an zwei Toyota-Vertriebshändlern.
Chavez rief in seiner heurigen Weihnachtsansprache die Bürger dazu auf, ihre Kinder nicht mit Geschenken zu überhäufen. Es mache "keinen Sinn", jedes Jahr im Dezember einen Haufen neuer Kleider und Spielzeug zu kaufen. Das schade den kleinen Händlern und nütze nur "den Ausbeutern, den großen Konzernen".
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