Do, 20. September 2018

Jedes 10. Baby zu früh

14.09.2018 12:00

Kleine Kämpfer zeigen vollen Lebensmut

Jedes zehnte Baby wird in Österreich zu früh geboren, doch nur 1,5 Prozent kommen mit weniger als 1500 Gramm Geburtsgewicht auf die Welt. Auf sie wartet ein langer Weg ins Leben.

Cullen Potter hatte eine Chance von zwei Prozent, als er bereits nach 22 Wochen in Alabama auf die Welt kam. Nach fünfmonatigem Überlebenskampf durfte er Ende August nach Hause. Kerngesund. Ein kleines, großes Wunder.

Ein kleines Wunder, dass es David heute gut geht
So wie auch bei David (3, am Titelbild ganz links mit seiner Mama). Dem es heute gut geht. Auch wenn er zarter und kleiner als seine gleichaltrigen Spielkameraden ist: „Er ist gesund und ein fröhlicher, aufgeweckter Lauser“, freut sich seine Mama Erika Buchendorfer aus Leonding (OÖ). Für sie ist es ein Wunder, dass sie heute ihren gesunden Sohn umarmen darf. Denn David brachte nur 810 Gramm auf die Waage, als er in Linz auf die Welt kam. Sein Zwillingsbruder Julian überlebte nicht: „Es war eine schwere Zeit, die Trauer um Julian, gleichzeitig die Angst um David“, erinnert sich die 35-jährige Mutter: „Er war so klein und richtig durchsichtig.“ Wochenlang sah sie ihr Baby nur durch den Brutkasten, drei Monate wurde David im Spital behandelt, überstand mehrere Komplikationen, bevor er endlich nach Hause durfte - da wog er 2,3 Kilogramm.

Kleine Kämpfer zeigen oft vollen Lebensmut
David gehört zu den 1,5 Prozent der Neugeborenen, die mit einem Gewicht von unter 1500 Gramm auf die Welt kommen und damit zahlreichen Risiken ausgesetzt sind. Doch die kleinen Kämpfer zeigen oft vollen Lebensmut, trotzen den Statistiken. In Linz konnte einmal sogar ein Säugling gerettet werden, der nur 420 Gramm wog. Ein Kraftakt der modernen Medizin. Um die Eltern der Frühchen auch nach dem Spitalsaufenthalt bestmöglich zu unterstützen, gründeten einige Krankenschwestern den Frühchenverein „NewBe“. Zum letzten Frühchentreffen Ende August kamen 120 Menschen, denn Vernetzung ist beim Thema Frühchen das Um und Auf: „Die Eltern können ihre Erfahrungen austauschen, über Praktisches wie Tragetücher und Bodys für Frühgeborene plaudern. Daneben ist unser Internet-Forum sehr aktiv“, weiß Gründungsmitglied Anna Kriechbaum.

Gespräche mit anderen Betroffenen helfen
Auch der Frühchen-Mama Erika haben Gespräche mit anderen Betroffenen viel Kraft gegeben, kam doch Davids Bruder Paul ebenso viel zu früh auf die Welt. Mit einem Geburtsgewicht von 1430 Gramm kam er ihr im Gegensatz zu David fast groß vor: „Da wusste ich gleich, das schaffen wir.“ Sie appelliert an alle Eltern von Frühgeborenen, den Spezialisten im Krankenhaus zu vertrauen: „Dann schafft man diese schwere Zeit.“

„Krone“-Interview
Oberarzt Martin Weissensteiner vom Kepler Universitätsklinikum Linz behandelt die kleinsten Patienten und kennt die Risiken.

„Krone“:Ab wann kann ein zu früh geborenes Baby überleben?
Weissensteiner: Die Grenze der Lebensfähigkeit ist ein heikles Thema. In Österreich ist es so, dass man ab einer Geburt in der 23. Schwangerschaftswoche versuchen kann, das Kind zu retten, aber die Entscheidung liegt zu einem so frühen Zeitpunkt alleine bei den Eltern. Wir klären sie über die Risiken auf. Das kleinste Baby, das bei uns überlebt hat, wog nur 420 Gramm.

„Krone“:Die Überlebenschancen steigen aber mit jedem neuen Tag im Mutterleib.
Weissensteiner: Ja, es wird natürlich auch versucht, bei zu frühen Wehen die Schwangerschaft noch zu verlängern, dem Ungeborenen werden auch Medikamente verabreicht, die Hirnschäden vorbeugen und die Lunge reifen lassen. Mädchen haben übrigens generell bessere Chancen, da sie in der Entwicklung rund eine Woche voran sind.

„Krone“:Ist ein Frühchen erst auf der Welt, wartet oft ein langer Krankenhausaufenthalt.
Weissensteiner: Sehr früh geborene Kinder brauchen eine Atemunterstützung, Infusionen und sind immer gefährdet, sich eine Infektion einzufangen. Auch wenn sie entlassen werden, ist es meist noch nicht vorbei. Es gibt leider eine große Bandbreite an Folgeschäden. Die meisten brauchen viel Nachsorge wie Physio- oder Ergotherapie. Manche holen aber auch alles wieder auf.

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