18.12.2009 16:13 |

Grünes Licht

"Pille danach" in Österreich ab sofort rezeptfrei

Die "Pille danach" ist ab sofort in Österreichs Apotheken rezeptfrei erhältlich. Der entsprechende Bescheid wurde am Donnerstag vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen ausgestellt. Das Präparat "Vikela" wird in Österreich derzeit noch von Gerot Pharmazeutika vertrieben, ab 2010 von Sanova Pharma.

Wie das Gesundheitsministerium am Freitag mitteilte, wurde das Präparat zur Notfallverhütung "für Frauen aller Altersgruppen rezeptfrei gestellt". Der Beschluss erfolgte einstimmig nach Prüfung der vorliegenden Gutachten. Auch der Oberste Sanitätsrat hat kürzlich eine positive Empfehlung ausgesprochen.

Die Freigabe von Vikela erfolgte aufgrund eines Antrags, den Gerot Pharmazeutika aus der Firmengruppe von Ex-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein vor einigen Jahren gestellt hat. Das Gesundheitsministerium fragte nun nach und bekam die Auskunft, dass dieser noch aufrecht sei, hieß es am Freitag. Unter ÖVP-Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat sei der Antrag aus politischen Gründen nicht weiter verfolgt worden, so eine Sprecherin Stögers.

Info-Schreiben für Apotheken
Zeitgleich mit der Freigabe der Vikela-Tablette erhalten die Apotheken ein Info-Schreiben des Gesundheitsministeriums. Darin wird um Information der Patientinnen gebeten, unter anderem darüber, dass ein Notfallkontrazeptivum keinesfalls eine reguläre Verhütungsmethode ersetze. Auch eine Kontrolle durch einen Facharzt für Frauenheilkunde soll "nachdrücklich" empfohlen werden.

Zusätzlich sollen die Apotheker die Frauen darauf hinweisen, dass eine bestehende Schwangerschaft durch die Einnahme nicht abgebrochen werden kann und eine Verhinderung einer Schwangerschaft nicht in jedem Fall gegeben sei - besonders dann, wenn Unsicherheit über den genauen Zeitpunkt des ungeschützten Geschlechtsverkehrs besteht.

Stöger und Heinisch-Hosek erfreut
Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) hat die Rezeptfreistellung als wichtiges frauenpolitisches Anliegen bezeichnet, "für das ich mich aus Überzeugung eingesetzt habe". "Ich will gewährleisten, dass Frauen in Notsituationen das Medikament ohne zeitliche Verzögerung erhalten." Erfreut zeigte sich Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ).

Auch der Oberste Sanitätsrat hat sich laut Stöger bereits mehrmals positiv zu einer Rezeptbefreiung geäußert. Wichtig sei es zu betonen, dass dies keineswegs eine Routinemethode der Empfängnisverhütung sein könne. "Sie ist nur ein Mittel der Notfallkontrazeption und kann das Kondom, die herkömmliche 'Pille' oder andere geeignete Methoden zur Empfängnisverhütung nur im Notfall ergänzen", so der Minister. Um die Bewusstseinsbildung in diesem Sinne zu forcieren, werde es eine begleitende Informationskampagne geben.

Heinisch-Hosek betonte, dass Stöger "absolut im Sinne der Frauen" handle. Es werde eine langjährige Forderung von Frauenpolitikerinnen erfüllt. Es gehe darum, nach einer Verhütungspanne den betroffenen Frauen in einer Notsituation die geeignete medizinische Hilfe ohne zeitliche Hürden zur Verfügung zu stellen. "Mit der Rezeptfreistellung der 'Pille danach' hoffen wir einen Schritt zu setzen, damit es zukünftig zu weniger unerwünschten Schwangerschaften kommt."

Schwarz und Blau dagegen, Rot und Grün dafür
An frühere Zeiten erinnerten die Reaktionen auf die Rezept-Freistellung der "Pille danach". ÖVP-Familiensprecherin Ridi Steibl strich klar heraus, dass Stöger für diese Verordnung nicht auf die Zustimmung der ÖVP angewiesen ist. Aus ihrer Sicht ist dieser Schritt "falsch", denn die "Pille danach" sei eine "regelrechte Hormonbombe". Aus der Sicht von FPÖ-Gesundheitssprecherin Dagmar Belakowitsch-Jenewein gefährdet Stöger bewusst die Gesundheit von Frauen. Damit habe er sich als Gesundheitsminister disqualifiziert.

"Mit Freude" nahm hingegen die Grüne Frauensprecherin Judith Schwentner die Nachricht von der Rezeptfreistellung auf. Es sei wichtig, dass "Frauen nun endlich einen barrierefreien Zugang zu einem Notfallsverhütungsmittel haben", um ungewollte Schwangerschaften nach einer Verhütungspanne zu verhindern. SPÖ-Gesundheitssprecherin Sabine Oberhauser begrüßte den Schritt ihres Parteikollegen Stöger "sehr" - und forderte eine breite Informationskampagne.

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