Rote-Khmer-Prozess
2 Mio. Tote: Kambodschas Ex-Präsident angeklagt
Die Verteidigung von Khieu Samphan hat der französische Staranwalt Jacques Vergès übernommen. Der Advokat kennt den Angeklagten seit dem gemeinsamen Studium an der Pariser Sorbonne. Verges hatte unter anderen den ehemaligen Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie, und den Top-Terroristen Carlos verteidigt. Er gilt als Spezialist für "aussichtslose" Fälle.
Dem von China unterstützten Regime der Roten Khmer, das mit brutaler Gewalt das südostasiatische Land in eine kollektivistische Agrargesellschaft umwandeln wollte, waren zwischen 1975 und 1979 bis zu zwei Millionen Menschen zum Opfer gefallen. 1979 hatte eine vietnamesische Militärintervention die Gewaltherrschaft beendet.
Verlustreicher Untergrundkrieg
Nach ihrem Sturz zogen sich die Roten Khmer in den Dschungel zurück und erhielten auch vom Westen Hilfe. Sie behielten den UNO-Sitz und führten einen verlustreichen Untergrundkrieg gegen die Vietnamesen und das mit deren Hilfe installierte Regime in Phnom Penh. Erst 1991 kam es zur Unterzeichnung des Pariser Friedensabkommens, das die Voraussetzungen für eine große UNO-Friedensoperation und demokratische Wahlen schuf. Ex-Diktator Pol Pot starb 1998 in einem Dschungelversteck an der thailändischen Grenze.
Das aus 17 kambodschanischen und 13 von den Vereinten Nationen gestellten Juristen bestehende Sondertribunal war 2006 nach fast zehnjährigen Verhandlungen errichtet worden. Ihm sind enge Grenzen gesteckt, andernfalls wäre seine Einsetzung an einem Veto Chinas im Weltsicherheitsrat gescheitert.
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