15.12.2009 20:26 |

Jungfernflug

Boeings Pannenjet Dreamliner erstmals in der Luft

Mit mehr als zwei Jahren Verzögerung ist am Dienstag die neue Boeing 787, auch Dreamliner genannt, in Seattle zu ihrem Jungfernflug gestartet. Wegen technischer Probleme musste der Erstflug in der Vergangenheit immer wieder verschoben werden. Dadurch kostete der Jet den Flugzeugbauer nicht nur jede Menge Geld, sondern auch viel Prestige.

Die 787 ist in gewisser Weise Boeings Antwort auf den Airbus A380, das größte Passagierflugzeug der Welt. Boeing hatte sich entschieden, nicht ein Konkurrenzmodell von ähnlichen Ausmaßen zu bauen, sondern setzt auf ein mittelgroßes Modell mit hoher Reichweite. Damit wird der Dreamliner zu dem wesentlichen Konkurrenten für den Airbus A350 XWB, der im Jahr 2013 auf den Markt kommen soll.

Erster Jet sollte schon im Juni ausgeliefert worden sein
Eigentlich sollte der erste Dreamliner schon vor einem halben Jahr an den Erstkunden All Nippon Airways in Japan ausgeliefert werden. Doch Probleme mit der neuartigen Technologie und der auf zahlreiche Zulieferer verteilten Fertigung führten zu immer neuen Verzögerungen.

Die 787 ist zu großen Teilen aus modernen Verbundwerkstoffen gefertigt. Sie sind wesentlich leichter als das übliche Aluminium. Boeing erwartet dadurch einen um 20 Prozent geringeren Treibstoffverbrauch als bei einem vergleichbaren Modell. Allerdings birgt die Fertigung mit Verbundwerkstoffen ihre eigenen Schwierigkeiten, wie auch schon Konkurrent Airbus erfahren musste. Ein weiteres Airbus-typisches Problem hat jetzt auch Boeing: Die Fertigung der einzelnen Elemente einen Flugzeugs an weit voneinander entfernten Standorten.

Zugelieferte Teile waren nicht brauchbar
Boeing lässt die Teile für den Dreamliner in Japan, Italien, South Carolina und Kansas fertigen. Sie werden mit einem Spezial-Jumbo nach Everett bei Seattle geflogen und dort zusammengebaut. Dabei gab es aber offenbar Probleme. Die externen Firmen lieferten die Komponenten offenbar nicht in dem Zustand an, den Boeing erwartet hatte, wie Vizepräsident Scott Carson Anfang 2008 erkennen ließ.

Die Boeing B787 ist die erste Neuentwicklung des Herstellers seit der B777 aus dem Jahr 1995. Das Flugzeug soll je nach Variante und Bestuhlung zwischen 210 und 290 Passagiere bis zu 16.000 Kilometer weit befördern können. Damit wäre praktisch jede wichtige Fernverbindung nonstop zu bedienen. Eine weitere Variante für bis zu 330 Passagiere soll für Mittelstrecken bis 5.560 Kilometer ausgelegt werden.

Komfortvorteile für Passagiere erwartet
Von der leichten und widerstandsfähigen Kohlefaser-Konstruktion des Rumpfes sollen auch die Passagiere profitieren. In Jet-Kabinen herrscht normalerweise ein Luftdruck wie in etwa 2.400 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. In der 787 soll wegen des stabilen Rumpfes ein Luftdruck wie auf 1.800 Meter herrschen.

Außerdem sind die Fenster größer als bei herkömmlichen Flugzeugen. Einer Studie zufolge fühlen sich Passagiere wohler, wenn sie den Horizont während des Fluges gut sehen können. Und da keine Rücksicht auf korrosionsempfindliches Aluminium mehr genommen werden muss, soll die klimatisierte Kabinenluft nicht mehr so trocken sein wie in bisherigen Flugzeugmodellen.

Schon jetzt 840 Bestellungen
Noch vor dem Erstflug hat Boeing nach eigenen Angaben mit Stand November 840 Bestellungen im Wert von 141 Milliarden Dollar für die 787 in den Büchern. Die Auslieferung des neuen Flugzeugs dürfte nun im vierten Quartal 2010 beginnen.

Durch die bisher entstandenen Verzögerungen bei der Auslieferung drohen Boeing nun allerdings hohe Vertragsstrafen. Auch der gute Ruf des Unternehmens hat durch die massive Verzögerung arg gelitten.

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