Argentinien-Junta
Prozess: Blonder “Todesengel” muss sich verantworten
Der heute 58-jährige Astiz hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine Schlüsselrolle bei der Verfolgung linksgerichteter Dissidenten und mutmaßlicher Sympathisanten während der Militärdiktatur von 1976 bis 1983. Astiz war damals in der Marineingenieursschule ESMA in Buenos Aires tätig, einem der berüchtigten Folterzentren der Junta. Der Kapitänleutnant soll sich kurz nach dem Militärputsch von 1976 als Bruder eines verschwundenen Dissidenten ausgegeben haben, um die Mütter der Plaza de Mayo auszuspionieren. Im Dezember 1977 führte er dann Soldaten zu zehn Mitgliedern der Gruppe, die von diesen verschleppt wurden.
Französische Nonnen umgebracht
Unter ihnen waren die französischen Nonnen Alice Domon und Leonie Duquet, der Journalist Rodolfo Walsh und mehrere Gründer der Mütter der Plaza de Mayo. Nach Berichten von Augenzeugen war Duquet zunächst in einer Marineschule inhaftiert. Ihre Leiche wurde demnach von einem Flugzeug über dem Atlantik abgeworfen und ans Ufer gespült. Dort wurde sie in einem namenlosen Grab beigesetzt. Vor vier Jahren identifizierten Gerichtsmediziner die sterblichen Überreste von Duquet und einer weiteren Begründerin der Mütter der Plaza de Mayo, Azucena Villaflor de Vincenti.
Insgesamt 358 Beschuldigte vor Gericht
Astiz hat angegeben, er wisse nichts von den "Todesflügen" über dem Atlantik, bei denen die betäubten Opfer aus Flugzeugen in den Rio de la Plata geworfen wurden. Sein Anwalt sagte, dass Astiz als Angehöriger der Marine lediglich Befehle ausgeführt habe, um die Nation vor extremistischer Gewalt zu schützen. Bereits 1990 wurde Astiz von einem französischen Gericht in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein italienisches Gericht setzte in einem weiteren Prozess das gleiche Strafmaß fest. In Argentinien stand Astiz bereits 1985 vor Gericht. Wegen eines damals verabschiedeten Amnestiegesetzes wurde das Verfahren aber eingestellt. 2005 hat der Oberste Gerichtshof die Amnestie annulliert. Insgesamt soll jetzt 358 Beschuldigten der Prozess wegen Verbrechen während des "Schmutzigen Krieges" gemacht werden.
30.000 Junta-Kritiker verschwunden
Insgesamt verschwanden während der argentinischen Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983 Schätzungen zufolge rund 30.000 Junta-Kritiker und Oppositionelle.
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