"Von Leiden erlöst"

D: Ex-Minister Graf Lambdsdorff 82-jährig verstorben

Ausland
06.12.2009 14:54
Der FDP-Ehrenvorsitzende und frühere Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 82 Jahren in einem Bonner Krankenhaus, wie sein Sohn Nikolaus bestätigte. In einer Nachricht von Lambdorffs Büro hieß es, er sei "von seinen vielfältigen Leiden erlöst" worden. Kanzlerin Angela Merkel würdigte den Verstorbenen als "menschlich wie politisch gleichermaßen herausragenden Liberalen".

Die genaue Todesursache war zunächst noch unklar. Nikolaus Graf Lambsdorff erklärte lediglich, sein Vater sei plötzlich und unerwartet im Kreis der Familie gestorben. Dem Vernehmen nach war es ihm in den vergangenen Monaten gesundheitlich immer schlechter gegangen. Termine für Trauerfeier und Beisetzung stehen noch nicht fest.

Prägende Persönlichkeit der Politik
Lambsdorff, der am 20. Dezember 83 Jahre alt geworden wäre, war von 1977 bis 1984 deutscher Wirtschafts- und Arbeitsminister. Von 1988 bis 1993 führte er die FDP. In der deutschen Regierungsgeschichte ist sein Name eng mit der "Wende" von der sozial-liberalen Regierung Helmut Schmidts zur CDU/CSU/FDP-Koalition von Langzeitkanzler Helmut Kohl (1982-98) verbunden. In den 1980er Jahren überschattete die Flick-Parteispendenaffäre die Karriere des langjährigen Bundestagsabgeordneten. Deswegen wurde er 1987 zu einer Geldstrafe verurteilt.

Merkel erklärte, Lambsdorff habe "die Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik Deutschland lange Jahre hindurch ordnungspolitisch geprägt". Er sei eine der "großen Persönlichkeiten unserer sozialen Marktwirtschaft". Der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer sagte, dass Lambsdorffs Name "untrennbar" mit dem Wechsel von der sozial-liberalen zur schwarz-gelben Koalition im Jahr 1982 verbunden bleibe. "Lambsdorff war eine der herausragendsten Persönlichkeiten nicht nur der FDP, sondern der deutschen Nachkriegspolitik", so Seehofer.

Der frühere FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt charakterisierte den Tod Lambsdorffs als "großen Verlust eines überragenden Mannes". Er fügte in einer Stellungnahme am Sonntag hinzu: "In der politischen Geschichte der Bundesrepublik ist seine Handschrift zu erkennen." Lambsdorff war Vorgänger Gerhardts als Vorsitzender der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung.

Politisches Gewicht bis zuletzt
Lambsdorff Stimme hatte in der deutschen Politik bis zuletzt politisches Gewicht. Der "Marktgraf" galt als Verfechter der freien Marktwirtschaft und als scharfer Analytiker mit markiger Rhetorik. Noch vor wenigen Wochen warnte der Ex-Minister die neue schwarz-gelbe Bundesregierung, die trotz Rekorddefiziten die Steuern senken will, vor einem "Schuldenrausch". Im Jahr 1982 läutete das "Lambsdorff-Papier", in der liberale Reformen gefordert wurden, den fliegenden Koalitionswechsel der FDP von der SPD zur Union ein.

Meisterstück NS-Entschädigung
Seinen größten Erfolg feierte Lambsdorff erst nach seiner aktiven Politikerkarriere: Im Alter von 73 Jahren unterzeichnete er am 14. Juli 2000 das letzte noch ausstehende Dokument zur Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern. Diese gilt als staatsmännisches Meisterstück, da sie auch die komplizierte Regierungsvereinbarung mit den USA und Opferorganisationen zur Rechtssicherheit für deutsche Unternehmen beinhaltet. Das Lob für Lambsdorff war international und in Deutschland über alle Parteigrenzen hinweg einhellig. Lambsdorff hatte die Regelung in ungeheurer Zähigkeit im Auftrag des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder innerhalb nur eines Jahres ausgehandelt.

Er habe in dieser Frage "bleibende Maßstäbe gesetzt", würdigte Merkel das Engagement Lambsdorffs am Sonntag. Die internationalen Verbindungen, die Lambsdorff auch als Vorsitzender der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung hatte, halfen ihm damals. Als Lambsdorff dieses Amt im April 2006 an Ex-Fraktionschef Gerhardt abgab, hielt der frühere US-Außenminister Henry Kissinger im Reichstagsgebäude die Laudatio auf seinen Freund.

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