Weltklimagipfel

Obama reist erst später nach Kopenhagen

Ausland
05.12.2009 11:56
US-Präsident Obama ist optimistisch, dass es beim Klimagipfel in Kopenhagen zu einem Durchbruch kommen könnte. Daher werde er nicht wie geplant zur Eröffnungsphase am 9. Dezember nach Kopenhagen reisen, sondern erst am 18. Dezember. In dieser Endphase der Konferenz sei seine Anwesenheit hilfreicher, erklärte das Weiße Haus am Freitag (Ortszeit).

Es gebe Fortschritte in Richtung eines Abkommens, "das alle Themen, die derzeit verhandelt werden, umfasst", teilte das Weiße Haus mit. Obama habe wegen der Klimakonferenz diese Woche bereits mit mehreren europäischen politischen Führern gesprochen, unter anderem mit Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischem Präsidenten Nicolas Sarkozy.

Hoffnung auf China und Indien
Obama gründe seine Zuversicht auch auf China und Indien, die kürzlich erstmals konkrete Ziele zur Reduzierung ihrer Treibhausgase genannt hatten, hieß es. Außerdem gebe es Anzeichen für einen Konsens, vom Jahr 2012 an rund zehn Milliarden Dollar jährlich aufzubringen, um Entwicklungsländern bei der Reduzierung der Klimakiller zu helfen. Allerdings warnte Obama, dass es nach wie vor ungeklärte Fragen gebe, die noch verhandelt werden müssten.

Unterdessen sagten mehr als 100 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt ihre Teilnahme zur Eröffnung der Klimakonferenz in Kopenhagen am Montag zu. Wie aus dänischen Regierungskreisen verlautete, werden "so gut wie alle" EU-Länder an den letzten beiden Verhandlungstagen durch ihre höchsten politischen Repräsentanten vertreten sein. Aus Afrika kommen 20 Staats- und Regierungschefs, aus Süd- und Nordamerika 15.

Düstere Zukunftsaussichten bei Scheitern
Von dem Gipfel in Kopenhagen werden konkrete Ergebnisse erwartet. Gebe es diese nicht, so steuere die Welt mit den aktuellen Klimaschutzzielen der einzelnen Länder laut einer Analyse des "Climate Action Trackers" auf eine katastrophale Erwärmung um 3,5 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts zu. Die Pläne der Industrie- und Schwellenländer reichten nicht aus, um die Erwärmung wie gefordert auf 2 Grad zu begrenzen, teilten die Entwickler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und von der Kölner Klimaberatungsfirma Ecofys am Freitag mit.

Die derzeitigen Klimaschutzziele werden den Anstieg der Treibhausgasemissionen nicht vor 2040 stoppen, urteilen die Experten. In keinem Fall werde so eine Halbierung der Emissionen bis 2050 erreicht, auf die sich die G8-Staaten geeinigt hatten. "Stattdessen werden sich die globalen Emissionen bis 2040 - gemessen am Level von 1990 - wahrscheinlich nahezu verdoppeln", hieß es. 

Drohen wirtschaftliche Konsequenzen?
Der Leiter des UN-Umweltprogramms UNEP, Achim Steiner, warnte im Falle eines Scheiterns der Weltklimakonferenz auch vor dramatische wirtschaftliche Konsequenzen. "Es hängen Hunderte von Milliarden Euro, verteilt über die Weltwirtschaft, in einer Warteschleife, weil mit Sorge beobachtet wird, ob die Welt den Sprung in ein CO2-armes Abkommen schafft", sagte Steiner der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Kopenhagen könnte in der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzkrise zu einer der bedeutendsten Konjunkturmaßnahmen werden, sagte der Deutsche.

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